ZEIT: Sie werden in der kommenden Woche für die Amtsperiode 1985/86 zum BDI-Präsidenten gewählt werden, Reichen zwei Jahre zum Gestalten oder nur zum Verwalten aus?

Langmann: Das sehe ich nicht so. Natürlich ist nicht zu bestreiten, daß zwei Jahre für ein solches Amt eine relativ kurze Zeit sind, und man wird darüber nachdenken müssen, ob eine solche Periode der Aufgabe angemessen ist. Auf meine Person bezogen liegen die Dinge jedoch etwas anders, da ich schon einige Jahre Vizepräsident des BDI, seit über einem Jahrzehnt Präsident oder Vizepräsident des Chemieverbandes bin...

ZEIT: ... einem der größten Mitgliedsverbände des BDI.

Langmann: Ganz recht. So wie ich sechs Jahre Präsident der Industrie- und Handelskammer Darmstadt war, bin ich mit den Aufgaben und Problemen vertraut. Ich werde daher keine lange Anlaufzeit benötigen.

ZEIT: Liegt es wirklich nur an Zeitproblemen, daß der BDI ein ums andere Mal Mühe hat, für das Amt seines Präsidenten einen geeigneten Kandidaten zu finden. Liegt es vielleicht an der mangelnden Attraktivität des Amtes, daß sich so viele Unternehmer rar machen?

Langmann: Die Tatsache, daß sich mit mir und meinem Nachfolger Tyll Necker zwei Kandidaten bereit erklärt haben, das Amt zu übernehmen, zeigt, daß es nicht so schlimm sein kann. Die Frage, wie jemand aktiv ein Unternehmen leiten und gleichzeitig einen erheblichen Teil seiner Zeit einem Spitzenamt in einem Verband widmen soll, ist für jeden das entscheidende Problem. Ich sehe meine Aufgabe ein bißchen darin, zu zeigen, daß man das Amt des BDI-Präsidenten voll ausfüllen und gleichzeitig seine unternehmensche Funktion voll weiter ausüben kann. Ich werde die Leitung bei Merck weder abgeben noch delegieren.

Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit wird auch während der Präsidentschaft bei meinem Unternehmen liegen. Und dies ist, jedenfalls für eine begrenzte Zeit, auch möglich, ohne die Pflichten des Präsidenten zu vernachlässigen. Solange jedoch bei möglichen Kandidaten die Vorstellung besteht, daß das Präsidentenamt zu wenig Zeit für die unternehmerische Funktion übrigläßt, wird es schwer sein, eine aktiven Mann zu finden.