Prager Sonnen

An der Prager Karls-Universität regt sich Widerstand gegen die Stationierung sowjetischer Atomraketen in der Tschechoslowakei. 939 Studenten unterschrieben eine Protestresolution, die Anfang Februar der Regierung überreicht wurde. Um auch denjenigen Studenten, die aus Furcht vor staatlicher Repression die Petition nicht unterzeichnen mochten, eine Möglichkeit zu geben, gegen die sowjetische Nach-Nachrüstung zu protestieren, wurde im Innenhof der Universität ein riesiges Plakat aufgehängt mit dem Resolutionstext und der Einladung: "wenn Du mit dieser Botschaft einverstanden bist, zeichne eine kleine Sonne." Innerhalb weniger Stunden war das Plakat mit Sonnen übersät.

Kalter Draht

Nach dem Scheitern wichtigerer Verhandlungen sucht die Reagan-Administration im Wahljahr Abkommen mit der Sowjetunion über unkomplizierte Themen zu schließen. Eins davon ist die direkte Fernschreibverbindung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem sowjetischen Generalsekretär. Im Krisenfall können bisher 60 Wörter in der Minute von Washington nach Moskau und zurück getelext werden; eine modernere Fernschreibverbindung wäre heute kein technisches Problem. Eigentlich auch kein politisches: Die beiden Mächte haben sich schon auf ein neues System geeinigt – zum heißen Draht sollen demnächst eine schnellere Telexleitung und auch ein Telekopierer gehören. Nur wollen die Russen das Abkommen nicht mit dem werbewirksamen Aufwand unterzeichnen, den sich der Wahlkämpfer Reagan wünscht. Ein amerikanischer Diplomat über die Wünsche Moskaus: "Die Sowjets wären nur bereit, das Abkommen zu unterzeichnen, wenn das durch zwei Pförtner geschähe, die sich um Mitternacht in Nowosibirsk treffen."

Späte Nachricht

Am Dienstag vergangener Woche war Len Murray, der Chef des britischen Gewerkschafts-Dachverbandes TUC, zu Besuch bei der Redaktion des Guardian in London. Die Journalisten stellten ihm manche harte Frage zur Zukunft des TUC, die er bereitwillig beantwortete. Dann aß der Gewerkschaftsboß mit den leitenden Guardian-Redakteuren zu Mittag und verabschiedete sich. Eine halbe Stunde später rief sein Pressesprecher die Guardian-Redaktion an und vermeldete eine Nachricht, die Murray seinen Gesprächspartnern den ganzen Morgen lang vorenthalten hatte: Len Murray, sagte der Sprecher, habe seinen Rücktritt angekündigt.

"Gesundheit"

Alexander Haig, erster Außenminister Präsident Reagans, scheint auch zwei Jahre nach dem unfreiwilligen Abschied vom State Department seinem früheren Dienstherrn zu grollen. Seit einiger Zeit, lästerte Haig, plage ihn ein Alptraum: Reagan wird auf dem Moskauer Flughafen von Staats- und Parteichef Tschernjenko begrüßt. Der Kreml-Führer streckt ihm die Hand entgegen: "Tschernjenko." Reagan: "Gesundheit".