Solche Spiele sind neu an der rauhen Küste. Das Meer war hier immer eine ernste, eine ernstgenommene Sache, so ist es heute noch. Die See sichert den Lebensunterhalt. Spürbar wird das in der St. Austeil Bay. Mevagissey, ein Fischerdorf mit winzigen Hütten rund um den alten Hafen, hat sich einen Rest von malerischem Charme bewahrt. Netze hängen über der Kaimauer in der Sonne, Fischer schrubben mit Drahtbürsten ihre Hummerkörbe von Salz und Algen sauber: Unter den Rand des Korbes kommt ein Fisch als Köder, lasse ich mir erklären. Der Hummer hat Hunger, krabbelt zu seiner letzten Mahlzeit und hängt in der Falle fest. Sein Todesstündchen schlägt dann in der Küche eines Fischrestaurants, wo der Koch das zappelnde Vieh mit heißem Wasser überbrüht. Aber warum kann der Hummer trotz Öffnung nicht mehr aus dem Korb, frage ich. "Er ist zu dumm", sagt der Fischer. Wer Hummer nicht mag (vielleicht weil sie zu dumm sind), kann statt dessen eine andere Spezialität der Gegend probieren, die Cornish Pasty. Ißt man den Blätterteig, gefüllt mit Kartoffeln, Fleisch und Zwiebeln, in einem gemütlichen Pub, schmeckt er heiß, saftig und gut. In den zahlreichen Fish-and-Chips-Shops aber ist die Pastete ein klebriger, nach Fischöl riechender Klumpen, serviert auf Papptellern. Nicht zu empfehlen.

Die sanfte Südküste, die "englische Riviera", mit den weit ins Meer hinausragenden Landzungen. lassen wir hinter uns und durchqueren Cornwall Richtung Westen. Das Land wird immer schmaler und hört am Ende ganz auf: Land’s End ist Englands westlichster Punkt und Ausflugsziel für zwei Millionen Briten pro Jahr. Ein Stück Natur in Privatbesitz. Fünf Kilometer Steinküste, 400 Hektar Land und ein Hotel sind vor etwa zwei Jahren für 1,75 Millionen Pfund verkauft worden.

Seitdem zahlt jeder Besucher 1,50 Pfund Eintritt, um die Natur zu genießen. Und die bietet was fürs Geld: Der Ozean schäumt meterhohe Wellen gegen die Felsen, der Wind treibt die Gischt mit ungeheurer Kraft bis auf die Klippen. Mütter retten mit einer Hand die Dauerwelle, mit der anderen ihre Kinder – der Sturm bläst gewaltig. Im Museum von Land’s End (Eintritt im Preis inbegriffen) berichten Photos und Texttafeln von den unzähligen Schiffen, die im Sturm vor diesen Klippen schon gestrandet sind. Ein Videofilm zeigt die Arbeit der Küstenwacht, die heute mittels moderner Technik weiteres Unglück verhindern will. Ständig müssen die harten Männer Hals über Kopf ihr Kartenspiel im Stich lassen und zu den Lifeboats hasten – glaubt man der Darstellung im Film.

Vielleicht hätten die Lebensretter auch der unglücklichen Rebecca helfen können, deren Boot in den Wellen versank?