Nun steht der dritte Streik ins Haus. Nach den Druckern und den Metallern sehen sich offenbar die Textilarbeiter gezwungen, für die Arbeitszeitverkürzung zu streiken. Nach drei ergebnislosen Spitzengesprächen innerhalb von zwei Wochen hat die Gewerkschaft Textil-Bekleidung am letzten Mittwoch die Einigungsbemühungen für gescheitert erklärt. Einen Aufschub boten nur noch neue regionale Verhandlungen, zuletzt am 24. Mai in Bayern.

Den Kämpfern um die 35-Stunden-Woche könnten sich also die Kämpfer um eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit hinzugesellen. Die "Gegner innerhalb des DGB" – wie es die Arbeitgeber und die Bundesregierung sehen – würden somit gleichzeitig für ein gemeinsames Ziel kämpfen, um eine Arbeitszeitverkürzung, die der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Sicherung der Arbeitsplätze dienen soll.

Die Textilarbeitergewerkschaft gilt als eine ruhige Organisation, die zu den fünf Gewerkschaften gehört, die der Tarifrente mit 58 Jahren den Vorzug gegenüber einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit geben. Das ist ganz im Sinne des Bundesarbeitsministers Blüm, der eine entsprechende gesetzliche Regelung "als Angebot an die Tarifparteien" durchgeboxt hat.

Doch als es bei den Verhandlungen in der Textilindustrie zum Schwur kam; benarrten die Arbeitgeber auf ihrem Standpunkt. Der vorzeitige Ruhestand sollte nicht ein Recht des Arbeitnehmers, sondern ein Gnadenakt des Unternehmers sein. Damit, so erklärt die Gewerkschaft, würde "der dringend erforderliche arbeitsmarktpolitische Effekt verlorengehen.

Bisher hat nur Günter Döding von der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten einen Rahmenvertrag über die Vorruhestandsregelung vereinbaren können, der jedoch noch durch Tarifverträge ausgefüllt werden muß. Einer davon wurde Ende vergangener Woche unterschrieben. Die Bauarbeiter mußten sich mit dem Versprechen zufriedengeben, daß die Arbeitgeber über die Tarifrente verhandeln wollen.

Die Arbeitgeber sind anscheinend auf dem besten Wege, der Bundesregierung in den Rücken zu fallen, die ihnen mit dem Angebot, eine Vorruhestandsregelung finanziell zu unterstützen, die Forderung nach der 35-Stunden-Woche vom Halse halten wollte. hm