Das Verhalten bundesdeutscher Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten ist für mich oft unverständlich und beschämend. Sie schweigen über Sacharow oder erwähnen sein Schicksal, seinen unbezweifelbar tödlichen Hungerstreik allenfalls in kaum bemerkbaren Notizen. Die Auseinandersetzungen über die Olympiade, die Wahl der Miss Polonia oder spektakuläre Verbrechen werden dagegen in Schlagzeilen breitgetreten.

Ich komme mir vor, wie ein lästiger Nachbar, der in eine Wohlstandswohngemeinschaft, in der die Menschen eifrig über Probleme wie Mieterhöhungen, Steuersünden, Arbeitszeitverkürzung und ähnliches diskutieren, eindringt und berichtet, im Nachbarhaus werde jemand ermordet und ein Brand sei ausgebrochen. Wie oft, wie laut soll man noch wiederholen, daß wir alle, immer dichter gedrängt, auf einem Planeten leben, wo es keine isolierten, rettenden Inseln mehr gibt? Heute gilt es mehr denn je, das Wort: "Frage nicht, wem die Glocke schlägt, sie schlägt auch dir."

Deshalb wird jeder, der jetzt hier im Westen publizieren kann, der Zugang zu einem Mikrophon, zu einem öffentlichen Podium hat und über die Massenmorde in Afghanistan, über den Foltermord an den Sacharows schweigt, mitschuldig an Mord und Folter überall in der Welt.