Es wäre ein historischer Versuch gewesen. Vor einem Jahr hatten die Nationalen Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten dem kalifornischen Forscher Steven Lindow grünes Licht für ein ungewöhnliches Experiment gegeben: Erstmals sollten gentechnisch veränderte Bakterien bewußt in der freien Natur ausgesetzt werden.

Mit den manipulierten Mikroben wollte Lindow deren natürliche Artgenossen auf den Blättern der Kartoffelpflanzen verdrängen. Denn diese Bakterien, eine Pseudomonas-Art, bewirken bei Frost, daß sich auf den Pflanzen schneller Eis bildet, wodurch das Blattgewebe zerstört wird. Die Labor-Bakterien fördern den Frost nicht. Sie könnten vielleicht helfen, einen Teil der jährlich rund drei Milliarden Dollar Frostschäden in der amerikanischen Landwirtschaft zu vermeiden.

Vorige Woche machte Bundesrichter John Sirica, berühmt durch den Watergate-Prozeß, die Hoffnungen zunichte. Er verbot Lindow, eine 61 Meter lange Kartoffelpflanzen-Zeile in Nordkalifornien mit seinen Frostschutz-Bakterien zu besprühen. Sirica gab damit dem Kläger Jeremy Rifkin recht, der das Experiment für eine Art "ökologisches Roulett" hält: Die manipulierten Mikroben könnten sich selbständig macnen und anderswo Unheil anrichten. Das öffentliche Interesse, meinte Sirica, "liegt eindeutig in der Bewahrung des Status quo".

Für Genforscher und -firmen ist das Urteil ein harter Schlag. Einige fürchten schon um die führende Rolle der Vereinigten Staaten in dieser Zukunftstechnik. Vielleicht aber hat Siricas Spruch einen wichtigeren Effekt: Wie wäre es, wenn Richter andere unabsehbare Eingriffe in die Natur mit der gleichen Schärfe beurteilen würden – etwa die Wald und Menschen bedrohende Luftverpestung? GH