Von Peter Christ

Aufregung ergriff nur einige Zeitungen als der Iran im vergangenen Herbst und dann nochmal Ende Februar drohte die Straße von Hormuz zu blockieren. Die Gelassenheit war verständlich. Niemand traute dem Iran zu, die wichtige Wasserstraße zu sperren und so die westliche Welt von zwanzig Prozent ihrer Öleinfuhren abzuschneiden. Der oberste Verteidigungsrat des Landes, das seit 44 Monaten mit dem Nachbarn Irak im Krieg liegt, muß zur selben Erkenntnis gelangt sein.

Die Straße von Hormuz ist kein Nadelöhr. An ihrer schmälsten Stelle mißt sie 45 Kilometer, und sie ist fast über die ganze Breite auch für Supertanker schiffbar. Manne und Luftwaffe von Ayatollah Khomeini wären wohl hoffnungslos überfordert gewesen, den einzigen Ausgang des Arabischen Golfes auf die Hohe See gegen amerikanischen und britischen Widerstand zu schließen.

Aber seit Anfang vergangener Woche ist der Krieg eskaliert. Am vorletzten Sonntag nahmen iranische Kampfflugzeuge den kuwaitischen Tanker Um el Casbah unter Feuer. Einen Tag später beschossen sie den kuwaitischen Tanker Bahra. Und am vergangenen Donnerstag schlugen Raketen in den Tank Nummer zwei des saudiarbischen Supertankers Yanbu Pride ein. Abgefeuert hatte sie ein Kampfflugzeug vom Typ F 4, das in den Vereinigten Staaten gebaut worden war und am Golf nur von der iranischen Luftwaffe geflogen wird.

Die Gelassenheit bei Ölhändlern, Schiffsversicherungen, Reedern und Ölmulties wich wachsender Nervosität. Sie konnten nun die kryptische Äußerung des iranischen Parlamentspräsidenten richtig deuten, der nur zwölf Stunden vor dem Angriff auf die Yanbu Pride gesagt hatte: "Entweder ist der Persische Golf für alle sicher, oder für niemanden."

Der sensible Spotmarkt in Rotterdam reagierte unverzüglich: Heizöl und Diesel wurden um fünf Dollar pro Tonne teurer, die Benzin- und Rohölpreise kletterten mit. Kräftiger langte das Lloyds Versicherungssyndikat in London zu. Nach dem Raketentreffer auf das saudische Schiff stiegen die Prämien für Schiffsversicherungen um zwei Drittel und die Prämien für die Ladung um reichlich achtzig Prozent. Teurer denn je wurde es für Tanker, die iranische Ölverladeinsel Kharg anzulaufen.

Die höheren Versicherungspreise sind wohl berechtigt. Denn spätestens seit dem iranischen Angriff auf die Yanbu Pride ist klar, daß der Golf für kein Schiff mehr sicher ist, daß die Ölexporte aus der ölreichsten Region der Welt noch nie zuvor stärker gefährdet waren. Die Yanbu Pride schwamm in saudischen Hoheitsgewässern nur dreißig Meilen südlich von Ras Tanura, dem größten Ölhafen der Welt und der strategisch empfindlichsten Stelle Saudi-Arabiens, als die iranische F 4 ihren Angriff flog.. Die Saudi Royal Air Force war trotz Unterstützung durch amerikanische AWACS-Radarflugzeuge offenbar nicht in der Lage, den Eindringling abzuwehren. In den Hauptstädten des Westens müssen die Alarmglocken geläutet haben, besonders laut in Washington.