In England spielen sich viele kleine Revolutionen ab. So trinkt man in dem europäischen Teeland par excellence um elf Uhr, zu den "elevenses", neuerdings eher Kaffee als Tee. Und noch revolutionärer: Das englische Nationalgetränk kostet seit kurzem etwa 1,75 statt 1,50 Mark das Viertelpfund. Im wesentlichen ist die Teuerung auf Preiserhöhungen der indischen Regierung zurückzuführen.

Aus Indien kam und kommt immer noch ein großer Teil der englischen Tee-Einfuhr. Wie eh und je steuern Teeklipper von dort über das Kap der Guten Hoffnung nach London. Die "Cutty Sark" war einer der ersten und berühmtesten. Nun liegt er als Museumsschiff im Trockendock in Greenwich bei London. Die bekannte Teefirma Twining benutzt zur Zeit die reizvolle Kulisse für eine Teeausstellung.

Hier wird die 300 Jahre alte englische Teegeschichte erzählt und illustriert. Mit Verkaufsrechnungsbüchern und Teegefäßen; und mit ungewöhnlichen Teekannen und -schalen, Vorgängern der Teetassen, die im 17. Jahrhundert aus China nach Großbritannien eingeführt wurden. Englische Keramiker kopierten die Designs und fügten Henkel hinzu, so daß sie leichter zu benutzen waren.

Beim Rundgang durch die Ausstellung sieht man den Premierminister William Pitt mit Richard Twining, der die Regierung im Jahre 1784 beeinflußte, die Teesteuer zu reduzieren. Und die siebente Herzogin von Bedford schlürft ein Tässchen Tee in ihrem Londoner Salon. Sie war es, die im frühen 19. Jahrhundert Ausschau hielt nach einer geeigneten Erfrischung für ihre Gäste am Spätnachmittag. Was konnte dazu besser geeignet sein als das anregende, aromatische Getränk? Die Freunde der Lady folgten diesem Beispiel. Eine Tradition begann zu leben.

Aus dem Zweiten Weltkrieg werden Kantinen auf Rädern gezeigt, wo man Tee am laufenden Band ausschenkte, und es fehlt auch nicht eine futuristische Szene plus Roboter – all for tea.

Das Prunkstück der Schau ist eine mit bunten chinesischen Mustern bemalte Riesenteekanne, die für die große Industrieausstellung im Jahre 1851 hergestellt wurde. Sie ist 76 Zentimeter hoch und faßt 68 Liter des noch immer beliebten Getränks; sie soll die größte Teekanne der Welt sein.

Schön ist die dreiviertelstündige Themsefahrt nach Greenwich, wo man gleichzeitig die graziöse "Cutty Sark" mit ihrer edlen Holzverkleidung und antiken Paraphernalia besichtigen kann. Ein Tagesausflug lohnt. Julie Stewart

Cutty Sark, King William Walk, zehn FuBminuten vom Bahnhof von Greenwich. Der Eintritt für den Teeklipper (knapp vier Mark) berechtigt auch zu der Besichtigung der Teeausstellung (bis zum 31. August). Geöffnet wochentags von 10.30 bis 17 Uhr, sonntags von 1440 bis 17 Uhr.