Druckindustrie

Von Heinz Michaels

Ich begleite Sie noch nach unten", sagte Erwin Ferlemann zum Abschied. Das war nicht nur Höflichkeit, es war auch zwingende Notwendigkeit. Seit die IG Druck streikt, sind in der Stuttgarter Hauptverwaltung Haus- und Stockwerkstüren fest verriegelt. Sie lassen sich nur mit Spezialschlüsseln öffnen. Die Einfahrt ist nach Büroschluß mit einem massiven Scherengitter verschlossen.

"Wir haben immer ein offenes Haus geführt, zu dem jeder Zugang hatte", erläutert der Gewerkschaftsvorsitzende. "Aber es gab Bombendrohungen; Hensche und ich erhielten Mordandrohungen." Die Polizei nahm die Sache so ernst, daß sie massive Sicherheitsvorkehrungen empfahl.

Fünf Wochen Streik. Der Chef der IG Druck wirkt gelassen. Keine Nervosität? Keine Spannung? "Es wäre unnatürlich, wenn man in dieser Situation nicht unter ständiger Spannung stände. Von diesem Kampf hängt viel ab, die Zukunft unserer Organisation, ja auch die finanzielle Lage der Organisation." Ein hoher Einsatz.

"Was einem in dieser Lage hilft, was einen aufrecht hält, ist die Ursache des Streiks, die Sache, um die es geht. Gegen Arbeitslosigkeit gibt es, so wie die Dinge liegen, kein anderes Mittel als die vorhandene Arbeit zu verteilen." Erwin Ferlemann sagt das ganz unpathetisch.