Die Kirche darf nicht das in der Homophilie deutlich zum Ausdruck kommende Zurückbleiben hinter dem Schöpfungsangebot Gottes rechtfertigen.

Die nordelbische Kirchenleitung, eine eine kirchliche Trauung zweier lesbischer Frauen für ungültig erklärte

Lutz Rathenow: DDR-Autor fragt

Lutz Rathenow, 1952 in Jena geboren, Schriftsteller in der DDR, hat wieder einmal Schwierigkeiten mit den Kultur- und Zoll-Behörden seines Landes. Daß er nicht nach Frankreich reisen darf, wo eines seiner Bücher erschienen ist, wundert den Autor schon gar nicht mehr, obwohl die DDR doch gerade ein Kulturabkommen mit Frankreich abgeschlossen hat. Daß er aber die von ihm verfaßten Bücher, die nur im Westen erscheinen dürfen, nicht mal in Ost-Berlin erhalten darf, läßt ihn einige Fragen an das "sehr geehrte Ministerium für Kultur seines Staates richten. Zwar darf er, mit einer "Sondergenehmigung" zwei seiner im Westen Deutschlands erschienenen Bücher "in Form von Tausch- und Geschenksendungen empfangen" – wenn er die Bücher aber verschenkt, droht den Beschenkten eine Hausdurchsuchung; die beschlagnahmten Bücher werden den Besitzern nicht zurückgegeben. "Was ist eine Sondergenehmigung vom Ministerium für Kultur wert?", fragt Rathenow. "Darf ich mein Buch ,Zangengeburt‘ nicht verschenken? Darf ich sie verleihen? Ist es ausschließlich gestattet, in der eigenen Wohnung das Buch jemand zu zeigen? Nur zu zeigen oder darf jener darin lesen? Oder muß ich alle Exemplare unter Verschluß halten? Darf ich im Beisein meiner Frau darin blättern? Wenn niemand das Buch sehen soll, wäre auch aus dieeine größere Wohnung für uns dringlich. Seit mehreren Jahren beantrage ich sie... In der DDR wurde auch in diesem Jahr der 10. Mai als "Tag des freien Buches" gefeiert.

Ruhrkampf

Der ewige, manchmal handgreifliche Streit zwischen Künstlern und Kritikern ist um ein neues Episödchen reicher. Da hat im Ruhrgebiets-Magazin "Marabo" der Kritiker Jochen Schmidt Claus Peymanns bevorstehenden Abgang ans Wiener Burgtheater kommentiert. "Ein weinendes, ein lachendes Auge" heißt der Artikel – er könnte genausogut "Ein blindes, ein blaues Auge" heißen. Denn Jochen Schmidt ("Ich bin ja nicht blind") versteigt sich zu der gewiß nicht hellsichtigen Formulierung, bei Peymanns Inszenierung von Kleists "Hermannsschlacht" habe es sich um einen "fatal brillanten, üblen Fall von faschistoidem Theater" gehandelt. Peymann, der Gute, mochte seinen Kritiker nun nicht alleine lassen und setzte auf Schmidts Torheit sogleich eine andere. "Sehr geehrter Herr Schmidt, nach Lektüre Ihres Artikels ‚Ein weinendes, ein lachendes Auge‘ in der Zeitschrift ‚Marabo‘ habe ich unsere Theaterkasse angewiesen, Ihnen künftig keine Freikarten mehr zu reservieren." Also sprach der Mächtige. Wir schlagen dem offenbar genervten Schauspieldirektor vor, künftige Premieren seines Hauses ausschließlich vor Mitgliedern des noch zu gründenden "Freundeskreises Claus Peymann e.V. auszutragen. Ein Freund ist ein Freund, oder, wie man in Wien sagt: Der Peymann wirds schon richten.

Manthey verläßt Rowohlt