Von Jes Rau

Nicht auszudenken, welche Folgen ein Kollaps der Continental Illinois Bank gehabt hätte. Schließlich ist diese Chicagoer Bank kein finanzieller Tante-Emma-Laden, sondern die siebtgrößte amerikanische Geschäftsbank. Der Zusammenbruch eines Instituts mit Aktiva in Höhe von vierzig Milliarden Dollar würde die Vertrauensbasis sämtlicher Banken schwer erschüttern. Wahrscheinlich würden verschreckte Geldanleger. in der ganzen Welt ihre Einlagen erst von anderen amerikanischen Banken und später vielleicht auch von europäischen Geldinstituten abziehen. Nicht nur Leute mit reger Phantasie drückt deshalb der Alptraum, daß die Banken reihenweise zusammenklappen könnten wie eine Kette von Domino-Steinen.

Glücklicherweise sind die Schalter immer noch offen im Gebäude der Continental Illinois, einem imposanten, von ionischen Säulen umrahmten Bauwerk in Chicagos South La Salle Street. Doch ohne den Beistand der US-Zentralbank gäbe es in Chicago längst Bankfeiertage, wie sie die Älteren noch aus der Zeit der Depressionen kennen. Mit ihrer Rettungsaktion zu Gunsten von Continental haben die Finanzbehörden Amerikas aller Welt zu verstehen gegeben, daß Washington den Zusammenbruch einer amerikanischen Großbank nicht zulassen will.

„Wir werden sicherstellen, daß es in unserem Bankensystem keine Kalamitäten gibt“, erklärte Finanzminister Donald Regan.

Diese Versicherung konnte allerdings nicht verhindern, daß auch andere Geldinstitute in der ganzen Welt ins Gerede kamen. Selbst die Aktien deutscher und anderer europäischer Banken gerieten schon Ende vergangener Woche unter Druck. Die Gerüchte kreisten Ende vergangener Woche vor allem um Manufacturers Hanover Trust. Die viertgrößte Bank der USA soll angeblich gezwungen worden sein, britische Schatzbriefe („gilts“) aus dem eigenen Bestand zu verkaufen, weil andere Banken Mittel zur Überbrückung von Liquiditätslücken verweigerten. Die Geschichte ist nach Angaben von Manufacturers Hanover zwar eine Ausgeburt der Phantasie. Aber die Gerüchte sorgten dennoch dafür, daß die Aktienkurse nicht nur von „Manu Hano“, wie das Institut im Branchenjargon heißt, sondern auch von den meisten anderen US-Großbanken absackten.

„Die Angst geht um“, sagt ein Broker des Investmenthauses Merril Lynch. „Nach der Krise von Continental Illinois fragt sich der Markt: Wer ist als nächstes dran?“ meinte der Inhaber eines Investmentfonds.

Diese Befürchtungen basieren vor allem darauf, daß mehrere Länder in Südamerika bald nicht mehr fähig oder willens sein könnten, die Zinsen für ihre riesigen Bankkredite zu zahlen, nachdem die Zinsen an den amerikanischen Geldmärkten für beste Kunden (Prime Rate) in den vergangenen drei Monaten um anderthalb Prozent gestiegen sind. Die betroffenen Länder haben gegen die damit verbundene Erschwerung ihrer Zinslast protestiert. Mexicos Präsident Miguel de la Madrid argumentiert, daß die Dritte Welt nicht die ganze Last des Schuldenberges tragen könne. Das ist auch die Meinung von Anthony Salomon, dem Chef der New Yorker Zentralbank, der dafür plä-Chef daß die Banken für diese Kredite Höchstzinssätze einführen und die Kreditsumme entsprechend aufstocken, wenn die herrschenden Marktzinsen über dieser Grenze liegen. Im Grunde ist der Ruf nach einem Höchstzins eine verklausulierte Aufforderung an die Banken, einen Teil ihrer als Aktiva geführten Darlehen abzuschreiben. (Siehe dazu auch: „...überaus unklug von den (Sieken“, Seite XIII).