Bücher, in denen über Geldanlagen berichtet wird, haben den Nachteil, daß sie zum Zeitpunkt ihres Erscheinens in Teilen bereits überholt sind. Es sei denn, sie enthalten lediglich Allgemeinplätze. Und dann sind sie allenfalls amüsant zu lesen; das ist dann auch ihr einziger Nutzen.

Es liegt also in der Natur der Sache, daß Werke, die sich mit der Wertpapieranlage befassen, „fortgeschrieben“ werden müssen. Denn auch der Autor lernt nie aus. So geht es dem ehemaligen Schweizer Bankier Rudolph Kaderli mit seinem Buch Börsenerfolg: Modernes Anlageverhalten RJKAD Verlag in Genf, 324 Seiten, 55 Mark, das er jetzt in 3. veränderter und ergänzter Auflage herausgebracht hat. Diesmal legt er dar, warum seiner Meinung nach die Börsenampeln von „grün“ auf „gelb“ gesprungen sind. Als Schweizer hat er dabei zwar vorrangig Wall Street im Auge, gemeint sind aber auch die deutschen Aktienmärkte.

Seine Meinung ist sicherlich interessant und auch seine mit guten Argumenten versehene Vorhersage. Deshalb würde es sich aber nicht lohnen, das Buch zu erwerben. Interessanter ist schon seine Meinung über moderne Börsenpraktiken und Analysemethoden. Für Kaderli gibt es keine für alle Zeiten geltende Börsenregeln.

Ganz aktuell ist seine Warnung vor den modischen Wagnis-Gesellschaften, meist Unternehmen, die sich sogenannten Spitzentechnologien widmen. In den USA sind sie im vergangenen Jahr reihenweise an die Börse gekommen. Viele haben ihren Neuaktionären inzwischen nichts als Verluste gebracht.

Bahnt sich in der Bundesrepublik eine ähnliche Entwicklung an? Der Fall Tewidata, wo die Aktionäre anstatt vor einer hohen Dividende jetzt vor einem Superverlust stehen, gibt zu denken. Kaderli meint zur Frage vereinfachter Börsenzulassungen: „Seriöse Neuerungen empfingen stets Kapitalunterstützung. Der Weg über die Börse ist an sich ein Wagnis, das nicht jedermann bekommt.“

Nichts im Sinn hat Kaderli mit jenen Anlageberatern, die mit computergesteuerten Plänen werben, aus denen sich dann die „trendstärksten Aktien“ herausfiltern lassen. Die meisten solcher Veranstalter – darauf weist er mit Recht hin – besitzen selbst keine eigene Aktie, sie sind nicht einmal alle am Börsenverlauf interessiert. Ihnen kommt es nur darauf an, Gläubige zu finden, die ihre „Arbeiten“ abonnieren. Ebensowenig wie es beim Roulette ein „todsicheres System“ gibt, existieren Patentrezepte für die Wertpapieranlage. Und sollte jemand eines besitzen, so wird er es tunlichst für sich behalten und versuchen, damit selbst Erfolg zu haben. Warum sollte er es gegen bescheidene Honorare mit anderen teilen?

Kaderli gibt dem interessierten Anleger Denkanstöße. Die Fülle seiner Informationen trägt auch zur Verwirrung bei. Aber schadet das? K.W.