Vom amerikanischen Geheimdienst CIA gibt es selten Erfolge zu berichten. Jetzt hat ein Untersuchungsausschuß des Kongresses zumindest dem Chef der Organisation außergewöhnliche Findigkeit bestätigt. William J. Casey, von seinen Freunden auch "Bill" genannt, war es nämlich, der Ronald Reagan im Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren kräftig unter die Arme gegriffen hat: Er besorgte Jimmy Carters Drehbuch für die Fernsehdebatten zwischen den Konkurrenten.

Wie Casey das Dokument beschaffte, ob gar auf kriminelle Weise, haben die Abgeordneten noch nicht herausgefunden. Immerhin aber wird jetzt verständlich, warum Reagan nach seinem Sieg den findigen Bill an die CIA-Spitze berief. Denn wer die geheimsten Unterlagen aus dem Wahlkampflager der Demokraten besorgen kann, für den ist das Ausforschen der Sowjets doch wohl nur ein Kinderspiel.

Casey kann vergessen. Schon vor seiner Amtsübernahme überraschte er mit Gedächtnislücken. Damals waren ihm delikate Details seiner privaten Vermögensbildung entfallen. Diesmal konnte er sich partout nicht mehr an die dunklen Umstände der Drehbuchaffaire erinnern.

Ein solches Verdrängungssyndrom ließe sich mit fire and forget umschreiben. Bisher wurde damit die Funktionsweise von Raketen bezeichnet, die nach dem Abschuß ihr Ziel selber finden. Aber zuschlagen und dann vergessen – das wäre auch eine einleuchtende Maxime für Geheimdienstler. William Casey, immerhin, scheint ihr längst zu folgen. Wen wundert es da, daß der Präsident so unbeirrt an seinem CIA-Chef festhält? Dieter Buhl