Personalpolitisch hat, wie sich manch einer noch erinnern mag, die konservativ-liberale Bonner Koalition nach ihrem Amtsantritt im Herbst 1982 nichts anbrennen lassen. Sie hat, hart aber politisch legitim, in den vormals sozialdemokratisch geführten Ministerien Leute ihrer politischen Couleur auf- und einsteigen lassen, politisch weniger genehme Stelleninhaber hingegen verdrängt. Von daher müßte man eigentlich glauben, daß der Beförderungsstau der Unionsanhänger gelöst und ihre Aufstiegsgelüste befriedigt wären.

Doch nein, es gibt immer noch Lücken. Die scheinbar völlig zur Unzeit geführte Diskussion über eine etwaige Nachfolge für den amtierenden Bundesbank-Präsidenten Karl-Otto Pöhl – seine Amtszeit läuft immerhin noch bis zum Ende des Jahres 1987 – läßt den Schluß zu, daß noch nicht jeder unter den neuen Machtverhältnissen das geworden ist, was er gern würde. Zunächst war, vor ein paar Wochen, in der Wirtschaftswoche vage von Kritik an Pöhl die Rede, und auch der Name eines möglichen Pohl-Nachfolgers wurde dabei genannt: Helmut Schlesinger, Vizepräsident der Bundesbank.

Daß Schlesinger, gewiß ein erfahrener und angesehener Mann, mit jetzt sechzig Lebensjahren ein Alter erreicht hat, in dem man sich für ferne personalpolitische Überlegungen nicht mehr gerade aufdrängt, schien die Verfasser nicht zu stören – sie brachten halt zu Papier, was sie irgendwo raunen gehört hatten.

Ähnlich halten es nun auch die Fuchsbriefe, ein in Bonn erscheinender Informationsdienst, der „aktuelle Informationen und Analysen aus Wirtschaft und Politik“ zu verbreiten vorgibt: Pöhl sei „in der Schußlinie“. Zur Begründung werden dabei gewisse zinspolitische Meinungsunterschiede im Zentralbankrat, dem obersten Beschlußgremium der Deutschen Bundesbank, angeführt.

Die Formulierung, die „Opposition“ gegen das Bundesbank-Direktorium unter Pohl werde vom Bayern und Strauß-Freund Müller „angeführt“, erscheint dabei reichlich übertrieben – ohnedies wäre Müller, eben erst in den Zentralbankrat reingeschneit und vordem als Abteilungsleiter im bayrischen Finanzministerium nicht gerade unumstritten, kaum der rechte Mann, gleich eine Opposition anzuführen.

In Wirklichkeit sind dies alles nur erste Versuche, Pöhl weichzukochen. Die Frage, wer hinter diesen Versuchen stehen könnte, führt nach Bonn und nach München. Gerhard Stoltenberg freilich, dessen Zusammenarbeit mit Pöhl bei nationalen wie internationalen Anlässen als ausgesprochen gut gilt, gehört wohl kaum zu den Kritikern.

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