Aus 58 Eisenbahnwaggons, zwei allein mit Gold- und Silberwaren, einer mit Uniformen angefüllt, bestand das Reisegepäck, als Wilhelm II., Deutschlands letzter Kaiser, sein Exil im Haus Doorn antrat. Ein Jahr zuvor hatte er den klassizistischen Bau aus dem 18. Jahrhundert von der Großmutter Audrey Hepburns gekauft. Heute ist das Kastell ein beliebter Ausflugsort.

Der ehemalige Rauchsalon ist eine einzige Hommage an den Alten Fritz. An den Wänden hängen die Porträts Friedrichs des Großen und seiner genußsüchtigen Freunde. In den Vitrinen blinken die mit Gold eingelegten Pistolen des Preußenkönigs und ein Teil seiner wertvollen Kollektion von Schnupftabakdosen. Französische Gobelins, Meißener Porzellan, goldenes Besteck und silberner Kitsch vervollständigen diese Sammlung. Am Schornstein stehen einige chinesische Vasen zur Schau, Reste einer Schiffsladung chinesischen Porzellans, die bei Borkum unterging. Einige Kisten der wertvollen Fracht konnten kaiserliche Taucher bergen.

Das Eßzimmer ist im Chippendalestil möbliert. Die Wand ziert ein persischer Teppich, von Kinderhand geknüpft, ein Geschenk des türkischen Sultans. Jedes der zahlreichen Zimmer des Landhauses ist so mit antikem Porzellan, Silber, Gold und Möbeln vollgestellt.

Beeindruckend sind auch die Uniformen des Kaisers, die mehr Operettenkostümen gleichen denn militärischen Trachten. Überall blinken Bordüren und Knöpfe, auf den Helmen stauben Hahnen- und Storchenfedern. Der linke Ärmel der Uniformen ist um zehn Zentimeter kürzer. Der Kaiser hatte einen verkrüppelten Arm.

Säbel, Dolche und Schwerter sind vergoldet und mit Edelsteinen ausgelegt. Der mit Diamanten besetzte Marschallstab des Kaisers rundet die Kollektion der funkelnden kaiserlichen Insignien ab.

In einer Vitrine trotzt die Freizeitkleidung des abgedankten Monarchen den Motten und dem Verfall. Daneben liegt ein Beil, mit dem der Kaiser, sagt die Anekdote, fleißig Feuerholz zerkleinert haben soll. Soviel ist sicher: Während seines Exils wurden im Doorner Schloßpark auffallend viele Bäume gefällt. Im kaiserlichen Arbeitszimmer, das noch eingerichtet ist wie einst, fällt ein zum Stuhl umgebauter Pferdesattel auf: sehr unbequem zum Sitzen, aber gut für einen geraden Rücken.

Nicht zu besichtigen sind des Kaisers. Sterberaum, das Zimmer seiner Frau Victoria und das Mausoleum, in dem der letzte deutsche Monarch begraben liegt. Das Haus Hohenzollern, Erbe des Besitzes, hält diese Räume geschlossen. Da der niederländische Staat den Besitz 1945 als feindliches Vermögen beschlagnahmte, schwelt der Streit über Haus Doorn. Immerhin wurde den Hohenzollern die Möglichkeit gegeben, mit Möbelwagen einen Teil des „persönlichen Besitzes“ des Kaisers nach Deutschland zu schaffen. Zu sehen gibt es aber immer noch genug – nicht nur für Kaisertreue.