Wer soll das bezahlen?“ So lautet die Kernfrage, wenn heute über die Gesundheitsversorgung und über neue Entwicklungen in der medizinischen Technik gesprochen wird. In gleichem Maß, wie die Qualität der Diagnose-Ergebnisse durch raffiniertere Untersuchungsmethoden optimiert werden kann, wächst der apparative Einsatz, wachsen die Kosten ins Unermeßliche.

Es sind aber auch andere Konzepte möglich. Das bewiesen kürzlich zwei Institute der Technischen Hochschule Aachen, bei denen eine so enge Zusammenarbeit von vornherein nicht unbedingt zu erwarten war: Professor Volker Wienert von der Abteilung für Dermatologie (Hautkrankheiten) der Klinischen Anstalten und Dr. Vladimir Blazek vom Institut für Hochfrequenztechnik entwickelten mit ihren Mitarbeitern die Licht-Reflexions-Rheographie – ein Verfahren (und das dazugehörige Gerät) zur Diagnose von chronisch-venösen Blutabflußstörungen in den Beinen, bekannt auch als Krampfadern.

Rund ein Fünftel der Bevölkerung in der Bundesrepublik leidet mehr oder weniger stark an Krampfadern. Obwohl die Krankheit weit häufiger auftritt als etwa Diabetes, stand sie nie stark im Zentrum des öffentlichen Interesses. Doch die Erkrankungsziffern steigen weiter an. Den Grund dafür sieht Wienert in den sich verändernden Arbeitsbedingungen: „Fast jeder sitzt heute die ganze Zeit während der Arbeit. Das Blut wird nicht mehr vernünftig aus den Beinen befördert.“ Dabei reichen, wie der Hautspezialist rät, schon wenige Übungen am Tag aus: Jede Stunde mehrmals den Fuß im Gelenk frei schwebend wippen genügt, die Venenmuskulatur zu aktivieren, den Venendruck des Blutes zu erhöhen und die Zirkulation, also auch die Versorgung mit frischem Blut, zu steigern. Funktioniert allerdings der venöse Rückstrom des Blutes durch. defekte Venenklappen nicht mehr gut, liegt eine Erkrankung vor; das Blut sackt immer wieder in die Beine zurück und der Blutdruck fällt rasch wieder ab.

Ist der Venenabfluß erst einmal unnormal, so konnte dies bisher nur mit einer Diagnosemethode „nach alter Väter Sitte, die nach Innovation schrie“ (Wienert) festgestellt werden: durch die direkte Blutdruckmessung in der Vene mittels eines Katheters. Das funktioniert zwar optimal, ist aber blutig und für den Patienten äußerst schmerzhaft. Deshalb wurde das Verfahren auch nur recht selten eingesetzt.

Grundlage für die Entwicklung des neuen Verfahrens war die Beobachtung, daß sich dort, wo der Blutdruck im Bein steigt, die Rötung der Haut erhöht. Hier hakten die Hautspezialisten ein. Wenn bei einem Venenkranken, so die Überlegung der Kliniker, etwa nach dem Fußwippen der Blutdruck im Bein schneller wieder abnimmt als bei Gesunden, dann müßte dies an der Rötung der Haut erkennbar sein.

Das menschliche Auge reicht natürlich nicht aus, eine solche Rötung ausreichend gut, gleichbleibend und objektiv zu vermessen. Das Licht der Rötung, das in unsere Augen fällt, besteht aus elektromagnetischen Wellen hoher Frequenz. Deshalb wandten sich die Mediziner an die Hochfrequenztechniker. Diese zeigten gleich reges Interesse und entwickelten einen Meßkopf, der die Hautrötung „in Maß und Zahl“ angibt, wie sich Blazek ausdrückt. Ein elektronisches Zusatzgerät verrechnet die Daten und druckt für jeden Patienten eine typische Kurve aus.

Das Meßverfahren ist denkbar einfach: Der nur etwa zehn Gramm schwere, daumengroße Meßkopf wird auf die Unterschenkelhaut geklebt. Der Patient wippt dann im gleichmäßigen Takt, den das Gerät vorgibt, zehnmal seinen Fuß. Mehr braucht er nicht zu tun. Nach einer guten Minute wird der Meßkopf wieder entfernt, der nächste Kandidat kann untersucht werden.