Die Einführung des Computers in den Unterricht geschieht nicht nur mit falschen Absichten, sondern auch mit illusionären Erwartungen. Ich zitiere hoffnungsvolle indikativische Sätze aus einem vieldiskutierten Aufsatz in der ZEIT. (Nr. 4/1984) von Siegfried Schubenz über Programmierwissen im Unterricht als eine Chance für die Kinder. „In der aktiven Auseinandersetzung mit dem Computer wird Sprache zu einem immer präziseren Kommunikationswerkzeug.“

Nego: Die Sprache der Computer ist genormt, eindeutig, einfach. Das sind Tugenden, wenn der auszudrückende Sachverhalt eindeutig, normierbar, einfach ist. Es sind Behinderungen und Verfälschungen, wenn die auszudrückende Sache mehrdeutig, subjektiv, komplex ist. Vor allem aber rechtfertigt dieser Befund – auch wenn er richtig wäre – nicht zu sagen, die Sprache der Computer ähnele der Sprache von Kindern (eher als der von Erwachsenen) – womit Schubenz offenbar ihre didaktische Eignung zu begründen meint. Kindersprache ist auf verschiedenen Stufen sehr verschieden – und auf keine von ihnen treffen die drei genannten Eigenschaften gleichzeitig zu.

In einem Vergleich ausgedrückt: Ein Schraubenzieher ist ein gutes Werkzeug für seinen Zweck, aber indem ich gelernt habe, ihn in den Schlitz der Schraube einzuführen, habe ich nicht mehr als eben, dies gelernt. Ich habe noch keine Tugend oder Fähigkeit erworben, Klavier zu spielen, mit dem die Sprache eine größere Ähnlichkeit hat als mit einem Schraubenzieher: Ich kann auf ihm klimpern oder brausende Geräusche machen oder empfindsam und kunstgerecht Tonfolgen und Harmonien hervorbringen.

„Ein einmal akzeptierter Satz muß nie wieder neu geschrieben werden.“

Das ist eine eher erschreckende als eine verführerische Illusion. Wäre sie wahr, der legendäre König Thamös von Ägypten, der nach einer Erzählung des Sokrates die Erfindung der Schrift zurückgewiesen haben soll, weil sie, „wenn man sie fragt, immer dasselbe sagt“, hätte allen Grund, auch diese Erfindung zu verwerfen: Sie identifiziert die gemeinte Erkenntnis mit dem mitteilenden Satz; sie materialisiert den Gedanken zu einer ablegbaren Sache. Daß dies möglich sei, mögen sich viele Menschen wünschen, aber dann verkennen sie die Bedingungen des Denkens und der Sprache. Es gibt keine sinnvollen Einzelsätze – ohne Kontext und ohne Mitteilungsabsicht.

„Kinder lernen schneller und sicherer, sich schriftsprachlich zu äußern, wenn sie es am Computer tun dürfen“, und: „Sie bekommen Vertrauen in die Machbarkeit von schriftlichen Äußerungen“, weil die Gefahren des Mißerfolges geringer seien als beim Schreiben mit Kugelschreiber und Papier.

Zum ersten Teil der Behauptung: Woher? Schneller und sicherer als wer oder unter welchen Bedingungen? Wie ist das ermittelt worden? Und zum zweiten Teil: Wenn die Begründung stimmt, würde ich die Rückkehr zur Schiefertafel empfehlen: Auf ihr kann man Fehler und Unschönheiten mühelos auswischen und den Text neu schreiben – und billiger ist sie allemal. Wird, wer alles immer wieder ändern kann, je die Disziplin des Vorausdenkens, die Anstrengung der versuchten Endgültigkeit auf sich nehmen? Jeder Grundschullehrer lernte einst, wann er von Griffel und Tafel zu Bleistift und Papier und schließlich zu Tinte und Papier überzugehen hatte. Soll es nun ewig bei der Schiefertafel bleiben?