Die Europäische Gemeinschaft hat erstmals die Milchmenge begrenzt, die sie den Bauern zu einem Garantiepreis abzunehmen bereit ist. Für das Wirtschaftsjahr 1984/85 (April bis März) wird das Milchkontingent für die gesamte Gemeinschaft auf 99,52 Millionen Tonnen begrenzt. Ab 1985/86 dürfen nur noch 98,4 Millionen Tonnen jährlich abgeliefert werden. Die deutsche Produktionsquote beträgt 23,5 und später 23,25 Millionen Tonnen.

Diese Garantiemenge wird unter den Bauern individuell aufgeteilt. Für wieviel Milch der einzelne Betrieb künftig den vollen Preis erhält, hängt von der Produktion und den Zuwachsraten in den vergangenen Jahren ab. Auf Härtefälle soll besonders Rücksicht genommen werden. Das sind zum Beispiel Bauern, die in letzter Zeit Seuchen auf-ihrem Hof hatten, oder aber auch solche, die ihre Ställe kürzlich vergrößert haben. Über die genaue Art der Durchführung dieser Beschlüsse müssen die Agrarbürokraten noch entscheiden.

Die Bauern sind an der Finanzierung der Garantiemenge beteiligt. Sie zahlen eine Mitverantwortungsabgabe. Sie wird im ersten Jahr von zwei auf drei Prozent des Preises angehoben, den die Molkereien an die Landwirte zahlen. Für Klein- und Mittelbetriebe erfolgt eine Entlastung von der Mitverantwortungsabgabe für die ersten 60 000 Liter Milch in Höhe von etwa 0,7 Pfennig pro Liter.

Neben der Begrenzung der Milchmenge haben sich die Landwirtschaftsminister auch auf die Abschaffung des Währungsaus-Reichs geeinigt, und zwar in Stufen vom 1. Januar 1985 an. Bisher wurden die deutschen Bauern subventioniert, wenn sie ihre Produkte in ein EG-Land verkauften, in dem sie niedrigere Preise erhielten. Die als „Währungsausgleich“ bezeichnete Subventionszahlung sollte den Preisunterschied zwischen Deutschland und dem Exportland ausgleichen.

Die Bauern erwarten aus all den Maßnahmen in diesem Jahr Mindereinnahmen bis zu dreißig Prozent. Die Regierung in Bonn möchte ihnen über diese Verluste hinweghelfen – und zwar über eine Sonderregelung bei der Mehrwertsteuer. Statt bisher acht Prozentpunkten sollen die Landwirte schon ab 1. Juli dieses Jahres 13 Prozent ihres Umsatzes pauschal vom Finanzamt erhalten – insgesamt wird der Bonner Haushalt dadurch jährlich mit drei Milliarden Mark zusätzlich belastet.