Die Aktionäre der Hypothekenbanken sind in den letzten Jahren durch hohe Dividenden und gelegentlich auch mit Gratisaktien verwöhnt worden. Die Aktienhausse ist an ihnen jedoch seit einem Jahr vorübergegangen. Wird sie noch nachgeholt werden?

Obwohl die Mehrzahl der deutschen Hypothekenbanken für ihr Geschäftsjahr 1983 stolze Abschlüsse vorgelegt und teilweise sogar die Dividenden erhöht haben, sind ihre Kurse seit Jahresbeginn – gemessen am Branchenindex – um rund 5,4 Prozent zurückgegangen, während der deutsche Gesamtaktienindex nur um ‚4 Prozent gesunken ist.

Schon seit geraumer Zeit war an Hypothekenank-Aktien nicht mehr viel zu verdienen. Hat ich hier deshalb ein Nachholbedarf aufgestaut? Die Zeitschrift Wertpapier tröstet die Hypothekenbank-Aktionäre und verspricht ihnen einen neuen Frühling nach dem Sommer“. Es deute ich eine Kurswende für die sowohl ertragsstarken Als auch billigen und obendrein noch risikoarmen lypothekenbank-Aktien für den weiteren Jahreserlauf an, heißt es in dem Fachblatt.

Eingeräumt wird allerdings auch, daß die Börse Die Ertragsperspektiven bewertet und daß diese im laufenden Geschäftsjahr schwerlich über das Spitenniveau des vergangenen Jahres hinauskommen werden. Es gibt Hypothekenbank-Vorstände, die heute bereits klipp und klar erklären, daß das Geschäftsergebnis für 1984 mit Sicherheit schlechter ausfallen wird und daß sich für die nächsten Jahre eine entscheidende Besserung andeutet.

Damit ist nicht gesagt, daß die Hypothekenbanken ihre Dividenden senken müssen. In dieser Hinsicht besitzen sie in ihrer Mehrzahl einen weiten Spielraum. In den letzten Jahren sind bei zahleichen Instituten weniger als die Hälfte des ausewiesenen Gewinns an die Aktionäre gegangen. Der andere Teil wurde zur Anreicherung der offenen Rücklagen benutzt, also zur Aufstockung des Eigenkapitals, dessen Höhe den Umlaufspielraum für ausgegebene Pfandbriefe bestimmt. Auf diese Weise haben die Banken Eigenmittel angesammelt, Die in der Spitze das Acht- bis Neunfache des diidendenberechtigten Grundkapitals ausmachen.

Wenn es stimmt – und dafür spricht vieles, meine verehrten Leser –, daß die Geschäftsausweitung er Hypothekenbanken künftig in ruhigeren Bahnen verlaufen wird, ist die bisher betriebene extrele Rücklagenpolitik nicht mehr notwendig. Die Gewinne könnten anders verteilt und vor allem dazu benutzt werden, die bisherigen Ausschüttungsätze aufrechtzuerhalten. Möglicherweise werden dafür auch die Großaktionäre – das sind die Geschäftsbanken – sorgen, denen im Hinblick auf ihre eigene Ertragslage an hohen Dividenden gelegen sein muß. Sehr konsequent scheint in dieser Hinsicht die Dresdner Bank vorzugehen. Die Hypothekenbanken, bei denen sie Mehrheitsaktionärin ist, zahlten für 1983 einheitlich Spitzensätze von 12,50 DM je 50 DM-Aktie.

Die Commerzbank hätte es sicherlich begrüßt, wenn „ihre“ Hypothekenbank, die Rheinische Hypothekenbank, mehr als nur magere neun Mark gezahlt hätte. Dazu konnte sich der Vorstand wohl auch deshalb nicht entschließen, weil Risikovorkehrungen für Engagements getroffen werden mußten, die von dem früheren Vorstandsmitglied Klaus Flachmann unter Außerachtlassung geltender Kreditvorschriften eingegangen worden waren.