Hörenswert

Luis Di Matteo: "Tango Contemporáneo". Es beginnt mit mächtiger Kraft und wechselt bald mit Besinnlichkeit und Zögern. Man ist schnell gepackt vom Temperament dieser Musik. Die Besetzung – neben den Bandoneon Klavier, Oboe, Baß und Schlagzeug – gibt ihr aber auch etwas leicht Bürgerliches. Vielleicht ist das, was der Bandoneon-Virtuose Di Matteo unter einem (auskomponierten) "zeitgenössischen" Tango versteht, eben dies: konzertant, gefällig, rhythmisch, zupackend, allerdings niemals (was einem ein Kommentar nahezulegen versucht) "rockig". Niemandem dürfte es schwerfallen, sich, je nachdem, auf der Tanzdiele oder im Saal einer Kleinkunstbühne zu fühlen. Di Matteo ist ganz ohne Zweifel ein hervorragender Musiker, und er hat mit seinen vier deutschen Begleitern Glück gehabt. Die schönsten seiner melancholisch-bewegten Stücke waren für mich "Monologando", Selbstgespräch, "Grupo ’83" und "Documental". (JA & RO, Raiffeisenstr. 16, 3403 Friedland 5; EfA Medienvertrieb 08–4116) Manfred Sack

Zwiespältig

Joe Cocker: "Civilized Man". Vermutlich das Schlimmste, was man über eine Joe Cocker-Platte sagen kann, ist die Behauptung, sie klinge nach Routine. Dem Show-Routine wäre das Letzte, was man von diesem Sänger je erwarten würde. Bislang bot Cocker auch auf seinen Platten der siebziger Jahre noch mindestens zwei oder drei überzeugende Proben seiner Fähigkeit, gute Songs auf neue und eigene Weise zu interpretieren. Hier scheitert er ausgerechnet an Pop-Klassikern wie dem Drifters-Evergreen "There Goes My Baby" und der Squeeze-Komposition "Tempted", bei der er mehr nuschelnd verschluckt, als daß er sie auch gestalten könnte. Atmosphärische Dichte und Momente von Autobiografie besitzen allenfalls die langsameren Balladen. (Capitol 2401391) Franz Schüler