Als mir der einst so selbstbewußt te Schulfreund bleich und mit hängenden Schultern leicht wankend entgegen kam, war klar, daß die letzten Bonner Ereignisse nicht spurlos an ihm vorüber gegangen waren. Er warf mir einen scheuen, aber warmen, flehenden Blick zu, als wollte er sagen: „Kennst du mich noch? Wagst du es noch, dich mit mir sehen zu lassen?“

Ich wußte, was ich einem alten Freund schuldig war, und drückte ihm ganz unbefangen die Hand. Schon sank er mir an die Brust, und ich hörte ihn schluchzen. Vorsorglich lieh ich ihm mein Taschentuch. „Alter Freund, was ist denn?“ Er schien irgendwie erleichtert. „Du sprichst also noch mit mir?“

„Warum sollte ich nicht mit dir sprechen?“, wunderte ich mich.

„Weil ich doch jetzt zu den Verfehmten gehöre, zu den Unberührbaren.“

„Hältst Du mich für einen Menschen“, empörte ich mich, „der einen Freund nur darum fallen läßt, weil er sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung und ähnlicher Delikte verdächtig gemacht hat?“ Er beruhigte sich etwas.

„Diese Verbrecherfotos in gewissen Magazinen. Man fühlt sich direkt wie an den Pranger gestellt. Dabei wollten wir doch nichts anderes, als unseren Parteien helfen, ihren verfassungsmäßigen Auftrag zu erfüllen,“ klagte er.

„Wenn’s dir ein Trost ist: Du bist ja nicht der einzige. Außerdem befindest du dich in prominenter Gesellschaft. Männer wie Zimmermann, Kreile, Schneider, Kiep gehören in Bonn zur crème de la crème. Vielleicht erreicht Justizminister Engelhard sogar Gefangenenzusammenlegung!“