Der Reiseveranstalter Airtours liefert derzeit ein neues Programm aus, bei dem unter dem Namen „Safarien ’84“ Badeaufenthalte auf den Seychellen mit Safari-Urlaub in Kenia kombiniert werden. Pauschalreiseveranstalter kritisieren die Subventionierung dieses Programms aus dem EG-Entwicklungshilfefonds.

Die TUI-Tochter Airtours, auf Urlaubsreisen mit Linienflügen spezialisiert, wurde im Rahmen eines Regierungsabkommens zwischen Kenia und den Seychellen beauftragt, eine Kombination von drei unterschiedlichen Safaris durch die Tierreservate in Kenia mit einem Erholungsaufenthalt auf einer von vier Seychellen-Inseln zu entwickeln. Eine solche Kombination konnte bisher nur individuell zusammengestellt werden und war entsprechend teuer. Aber auch bei Airtours liegt der Standardpreis bei mindestens 5076 Mark für eine 16tägige Reise. Bei Erfolg des Programms und entsprechend günstigen Tarifen der Fluggesellschaften will Airtours dieses Konzept auch auf Urlaubsgebiete in Fernost oder Südamerika ausdehnen.

Aus dem „Safarien“-Programm zieht zweifellos die ostafrikanische Republik mehr Nutzen als die Seychellen, weil die Zahl der vorgesehenen Übernachtungen in Kenia größer ist als auf den Inseln. Beide Länder suchen mit dem Angebot erneut eine kassenträchtigere Alternative zu dem jetzt vorherrschenden Massentourismus, dessen knapp kalkulierte Preise nicht allzu viele Devisen ins Land bringen.

Das Programm wird mit zunächst 500 000 Mark aus dem EG-Entwicklungshilfefonds unterstützt, dieser Betrag soll vor allem für die Verkaufsförderung des neuen Angebots benutzt werden. Die Europa-Behörden sehen in der Airtours-Offerte ein Pilotprogramm. Wenn diese Form der Urlaubskombination erfolgreich ist, will die Europäische Gemeinschaft bis 1986 in ihren Mitgliedsländern insgesamt 13 Millionen Mark in weitere Ferienprogramme für Kenia und die Seychellen investieren.

Diese Absicht brachte jetzt die beiden Frankfurter Pauschalreiseveranstalter NUR Touristic und Jet Reisen auf die Barrikaden. Sie sprechen von „herausgeworfenen Steuergeldern“ und halten der EG vor, den Aufbau des Charterflugmarktes für Kenia-Reisen nicht zu würdigen und zu beeinträchtigen, indem sie einen Linienveranstalter derart großzügig unterstützen. Sie fordern, den Einsatz weiterer EG-Mittel für diesen Zweck zu überprüfen. Die beiden Veranstalter baten die Europa-Abgeordneten Heide Wieczorek-Zeul (SPD) und Bernhard Saelzer (CDU), sich dieses Problems anzunehmen. Im Jahr 1983 besuchten 50 000 Deutsche Kenia, davon aber nur knapp fünf Prozent per Linienflug; Airtours hatte weniger als 300 Kenia-Passagiere.

Das Fremdenverkehrsbüro der Seychellen äußerte inzwischen Zweifel an dem sinnvollen Einsatz der EG-Gelder: „Ob das Kenia-Seychellen-Kombinationsprogramm allerdings tatsächlich zu einer wesentlichen Steigerung der Seychellen-Besucherzahlen im deutschen Markt beitragen wird, erscheint zweifelhaft. Angesichts des harten Preiswettbewerbs im Fernreisebereich dürfte mit der EG-Entscheidung, ausschließlich Mehr-Länderprogramme finanziell zu fördern, die Zielsetzung der Mittelgewährung, nämlich einen Beitrag zur Entwicklung der Volkswirtschaften der Zielländer zu leisten, wohl kaum zu erreichen sein.“

Ingrid Merkert-Saval