Von René Drommert

Heilung aus drei Themen? Gewiß, das segensreiche Wasser schießt in Bad Füssing aus tausend Meter Tiefe hervor. Es ist 56 Grad heiß und bringt Heilung oder Linderung bei Rheuma, Gicht, Herzbeschwerden, Defekten der Gelenke und der Wirbelsäule, Kreislauf- und Durchblutungsstörungen, Frauenkrankheiten, Altersbeschwerden und anderem.

Aber die Kurverwaltung vertritt die Auffassung, daß zwischen physischen und psychischen Vorgängen oft eine enge Verbindung bestehe. Goethe wäre hier ein guter Zeuge, vor allem sein Prinzip, die Sinne mit der Seele, die Seele mit den Sinnen zu heilen. Eine psychosomatische Vorstellung also. Da wird das Gemüt berücksichtigt.

Golf, Tennis, Reiten, Radfahren, Wandern in diesem Zwischenstromland unweit von Passau, dort, „wo sich der wilde Inn und die sanft gleitende Rott vereinigen“, sind nichts besonders Charakteristisches. Weit origineller ist dagegen das, was in Bad Füssing seit 1981 jährlich mehrfach und mit offensichtlichem Erfolg praktiziert wird. Es wird getanzt. Aber nicht geschwoft, nicht der sonst übliche Gesellschaftstanz ist hier gemeint Es handelt sich vielmehr um „Tanzspiele, gesellige Tanzformen und Folklore aus aller Welt für jedermann in jedem Alter“. Das niederbayerische Bad hat den Tanz als therapeutischen Helfer entdeckt und bedient sich seiner ohne strenge Methoden. Statt dessen wird immer einfallsreich improvisiert

Es ist erstaunlich, wie elegant Senioren sich häufig bewegen. Da gleitet etwa ein einundachtzigjähriger Berliner, groß und schlank, geschmeidig und rhythmisch sensibel, über das Parkett Da sehen wir auch einen kleinen, korpulenten, plumpsigen Tänzer, einen weit jüngeren. Von Grazie keine Spur. Und doch: Wie er mit Energie sein taubes Fleisch in Schwung bringt, ist dennoch aller Ehren wert Das Tanzen nützt ganz fraglos dem Körper wie dem „Gemüt“.

Auf kulinarische Genüsse wird während der täglichen 90-Minuten-Kurse ganz verzichtet, es gibt nichts zu trinken, kein Bier, keinen Wein, keinen Schnaps, es gibt auch kein Brot, keine Wurst oder dergleichen. Leidet darunter etwa die Stimmung? Nicht im geringsten.

Eine Kapelle gibt es nicht Die Musik kommt von Schallplatte oder Band. Da hören wir deutsche, polnische, tschechische, französische, israelische, englische, österreichische oder andere Musiken. Fast täglich findet ein Kursus für Anfänger und ein weiterer für Fortgeschrittene statt, die Trennungslinien sind vorsätzlich unscharf. Bis zu 60 Personen nehmen jeweils teil: Es ist ein überschäumend fröhlicher Haufen, der unter seinem chronischen Männermangel durchaus nicht leidet.