Mosbach ist eine kleine Kreisstadt zwischen Odenwald und Neckar. Etwa 25 000 Einwohner leben gut von einer soliden Industrie. Im Stadtkern gibt es viel Tradition und zahlreiche Fachwerkhäuser. Ein Amtsgericht, ein Landgericht und 26 Rechtsanwälte kämpfen dort ums Recht. Die Rhein-Neckar-Zeitung heißt Mosbacher Nachrichten und berichtet eifrig, wenn etwa ein historisches Gebäude an der alten Stadtmauer wieder aufgebaut wird.

Arglos schrieb Redakteur Thomas Ballenweg („tom“) im August 1982 in seinem Blatt einen Bericht über ein solch löbliches Unternehmen. „Übergabe der neuen Anwalts-Kanzlei“, stand in der Überschrift. Unterzeile: „Oberbürgermeister Fritz Baier und die Bauverwaltung setzten sich energisch für dieses Bauvorhaben ein“. Und über dem Ganzen die Dachzeile: „Architekt Leo Dorbath nannte Klaus Frank den ’Frank der Tat‘“.

Klaus Frank, das war der Bauherr. Ballenwegs Bericht zitierte noch den Architekten, der seinen Bauherrn, „den Vorsteher der wohl ältesten Mosbacher Anwaltskanzlei gebührend hervorhob: „Wenn er in Unterscheidung der Franks in Mosbach gefragt werde, um welchen Frank es sich beim Rechtsanwalt Klaus Frank handele, dann sage er immer, ‚den Frank der Tat’. Auch in verschiedenen weiteren Ansprachen gingen die Redner auf diesen Ausspruch ein und zeigten auf, daß der ’Frank der Tat sich selbst nicht in den Vordergrund spiele, dafür aber Leistung zeige ohne großes Aufhebens darüber zu machen und allgemeinen Wirbel zu veranstalten“.

Allgemeinen Wirbel machte nun ein anderer Mosbacher Frank. Adolf Frank, ebenfalls Rechtsanwalt in Mosbach, fühlte sich angesprochen. Und was tut ein Anwalt? Er klagt. Frank zwei klagte – nicht gegen den Architekten, der solches gesagt hatte, nicht gegen den Konkurrenten, nein, er klagte gegen den Redakteur, der die Reden beschrieben hatte.

Das hätte er nicht tun dürfen, meinte Frank zwei, denn damit greife er „zu Zwecken des Wettbewerbs“ ins anwaltliche Standesrecht ein, das derartige Werbung verbiete. Das Erstaunliche an dieser utrümlichen Presseauffassung ist nicht, daß Frank zwei sie vorbrachte. Das Erstaunliche ist, daß er mit solchen Argumenten einen Prozeß vor zwei Gerichten gewann, vor dem Landgericht Mosbach und dem Oberlandesgericht Karlsruhe.

Beide Gerichte gingen über die Einwände des Journalisten hinweg, er unterliege nicht dem anwaltlichen Standesrecht, und sein Bericht stehe unter dem besonderen Schutz der Pressefreiheit. Im Gegenteil, das Landgericht warf dem Redakteur vor, er habe „kollusiv“ (mitspielend) gegen die anwaltlichen Richtlinien verstoßen.

Aus dem Artikel ergebe sich „selbst“, daß Ballenweg „bewußt für den Rechtsanwalt Klaus Frank werben wollte“. Die Richter hörten nicht auf die Beteuerungen des Redakteurs, er habe zu dem angeblich geförderten Anwalt seit Jahren ein gespanntes Verhältnis.