Die soziale und ökonomische Entwicklung der Gesellschaft ist mit der natürlichen Umwelt untrennbar verbunden. Für die Befriedigung seiner Bedürfnisse entzieht der Mensch der Natur Stoffe und Energie, die er im ökonomisch reproduktiven Prozeß (Produktion und Konsum) transformiert ( ) Früher erfolgte diese Transformation in relativ kleinem Umfang, und die meisten Abfallstoffe konnten sich wieder in die natürlichen Kreisläufe eingliedern. In den letzten Jahrzehnten kam es aber zu einer enormen Beschleunigung dieses Transformationsprozesses. Immer neue, in der Natur oft unbekannte Stoffkombinationen entstehen, die infolge der Urbanisierung und Industriedichte in Konzentrationen auftreten, welche die Natur nicht mehr verkraften kann.

In der Tschechoslowakei ist der durch menschliche Tätigkeit verursachte Stoffumsatz etwa zehnmal höher als im Weltdurchschnitt. Allein durch den Abbau von Rohstoffen werden aus jedem Quadratmeter unseres Staatsgebiets pro Jahr fünf bis sieben Kilo Material gewonnen, die sich nach und nach in teilweise giftigen Abfall verwandeln. Auf jeden Bürger unseres Staates kommen jährlich rund 35 Tonnen feste Abfälle aller Art Die Abfallstoffe akkumulieren sich in einigen Ökosystemen und können, nach einer gewissen Latenzzeit und nach Erreichen einer bestimmten Konzentration, zu deren Zusammenbruch führen.

Sie werden aber auch in den natürlichen Kreisläufen transportiert, in einigen Fällen können sie Sich iii den Nahrungsmitfejketten konzentrieren.

| letzter Konsequenz bedrohen diese AbfallStoffe die menschliche Gesundheit und die Grundlage des menschlichen Lebens ( ) Dies trifft ojme Zweifel auch für die CSSR zu, die infolge der relativ langen Industrieentwicklung stark erschöpfte Rohstoffvorräte, ein hohes industrielles Potential und dadurch mancherorts schon ein deutlich gestörtes ökologisches Gleichgewicht hat ( ) Es ist also klar, daß unsere begrenzten Ressourcen zusammen mit der energetisch und rohstoffmäßig sehr intensiven Produktion auf einem relativ kleinen Staatsgebiet für die Entsorgung und Deponierung der Schadstoffe weit höhere Ausgaben für den Umweltschutz verlangen als in manchen anderen Ländern. Doch tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt. Der Anteil dieser Ausgaben ist niedriger als in anderen Ländern und hat außerdem in den letzten Jahren eine sinkende Tendenz. In der UdSSR machen die Ausgaben für den gesamten Umweltschutz 2 7 Prozent des Haushaltes aus, in Schweden 0 8 Prozent, in den USA 1 5 Prozent, in der BRD 2 Prozent des Brutto Nationalproduktes. Wenn auch diese Angaben aus methodologischen Gründen nicht ohne weiteres direkt vergleichbar sind, ist es dennoch beunruhigend, daß bei uns die Ausgaben für den Umweltschutz im 6. Fünfjahresplan lediglich 0 3 Prozent des Natipnalhaushaltes und 0 85 Prozent der Gesamtinvestitionen betrugen.

Im Weltmaßstab gehören wir zu den Staaten mit hohen SchwefeldipxidEmissionen:( ) Da ein Teil dieser Stoffe in der Luft oder im Wasser von der CSSR ins Ausland gelangt, könnten künftig im Rahmen internationaler Abkommen erhebliche Kosten für die Staatskasse entstehen. Zudem steigt der Umfang der Emissionen infolge des wachsenden Energiebedarfs unter Verwendung von Braunkohle mit niedrigerem Heizwert und höherem §chwefelgehalt ständig an.

In der CSR (CSR = Tschechische Sozialistische Republik, als ohne Slowakei) sind drei bis vier Millionen Einwohner diesen Emissionen direkt ausgesetzt, rund ein Drittel der Wälder und mindestens 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche beeinträchtigt. Die Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid verursacht weiterhin Schäden durch erhöhte Korrosion an Bauten und Materialien, beschädigt Kulturdenkmäler und Gebäude, erhöht die Kosten für kommunale und private Reinigung, usw. Grob geschätzt machen diese Schäden jährlich 15 bis 20 Milliarden Kronen aus. Darin nicht enthalten sind die nicht quantifizierbaren Schäden an der menschlichen Gesundheit, die unersetzlichen Verluste an Kulturdenkmälern, irreversible Naturschäden, das Aussterben von Pflanzen und Tierarten, die Verödung der Landschaft, der Verlust ästhetischer Werte und die daraus folgende Beeinträchtigung moralischer und ethischer Werte. Eine rationale Umweltfürsorge als Bestandteil des Lebensstandards ist daher nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch unerläßlich.

Es ist allerdings offenkundig, daß eine Produktionseinschränkung und damit auch eine Reduzierung der Abfälle und Störfaktoren, wie sie von einigen westlichen Wissenschaftlern und Politikern vorgeschlagen wird, keine Lösung darstellt. Der ökonomische Reproduktionsprozeß ist nämlich nicht nur die Ursache der Umweltverschmutzung, sondern gleichzeitig auch der einzige Produzent der Mittel für den Schutz und die zielbewußte Gestaltung der Umwelt.