Von Heinz Michaels

Sein Betrieb wird am meisten bestreikt. Mag der Arbeitskampf der IG Druck sonst auch noch so flexibel sein, es gehört zum gewerkschaftlichen Ritual der Auseinandersetzung, den Sprecher der Gegenseite immer wieder in die Streikaktionen einzubeziehen. Manfred Beltz Rübelmann nimmt das sportlich. „Es trifft mich wirtschaftich, aber nicht persönlich. Es beeinflußt auch nicht meine Haltung, mit der Gewerkschaft zu einem Konsens zu kommen.“ Er hält wenig von einer „kurzen, harten Lösung“ des Konflikts; er denkt in langfristigen Perspektiven.

Vor dem Tor des in saftiges Grün eingebetteten Betriebes an der Bergstraße stehen keine Streikposten; nur ein kleiner grüner Handzettel am Gitter kündet von einem „befristeten Streik“. Vormittags arbeitet eine kleine Schicht, am Nachmittag herrscht Ruhe. Neunzig Prozent der neunzig Befragten, so weiß Beltz Rübelmann, haben für den Streik gestimmt; vier Mitarbeiter haben ihr Gewerkschaftsbuch zurückgegeben, weil sie mit dem Streik nicht einverstanden sind. Ruhe, so scheint es, ist die erste Streikpflicht.

Mit 120 Mitarbeitern gehört die Beltz-Druckerei schon zu den Größeren der Branche, in der es nur dreizehn Unternehmen mit mehr als tausend Beschäftigten gibt, in der mehr als dreiviertel der Betriebe weniger als fünfhundert Mitarbeiter haben, wobei Gruppe mit weniger als fünfzig Arbeitnehmern dominiert.

Manfred Beltz Rübelmann strahlt Optimismus aus, einen fast jungenhaften Optimismus, der ihn auch nach sechs Wochen Arbeitskampf gelöst und locker erscheinen läßt. Dabei beschäftigt ihn „diese besonders schwierige Tarifauseinandersetzung“, seit er im letzten Herbst in sein Amt als Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des Bundesverbandes Druck gewählt wurde. „Seit einem halben Jahr mache ich nichts anderes als Tarifpolitik“ – und das alles ehrenamtlich. Ein Unternehmer, der sich für eine öffentliche Aufgabe engagiert, sich selbst in die Pflicht nimmt.

Dabei fällt ihm die Antwort auf die Frage, in welcher Rolle er sich am wohlsten fühlt, nicht schwer. „Als Verleger“, kommt es, wie aus der Pistole geschossen. Das ist für ihn der „ideale Beruf“, das Zusammenwirken von Technik, ästhetischer und inhaltlicher Gestaltung der Bücher und Zeitschriften und wirtschaftlichem Handeln.“ Das entspricht meiner Veranlagung.“

Bei Kulturredakteuren genießt der Beltz Verlag – 1841 im sächsischen Langensalza gegründet, Neubeginn 1949 in Weinheim – ein hohes Ansehen. Das Spektrum ist breit; Kinder- und Jugendbücher, pädagogische Fachliteratur, Bücher und Zeitschriften zur Pschologie, ein zeit- und gesellschaftskritisches Sachbuchprogramm, die traditionsreiche Zeitschrift Der Monat um nur das Wichtigste zu nennen. Mit insgesamt 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 35 Millionen Mark ein – so bietet es sich dar – gesundes mittelständisches Unternehmen.