ZEIT: Herr Minister Dallinger, Sie sind sowohl als Sozialminister als auch als Gewerkschafter entschiedener Vorkämpfer für die 35-Stunden-Woche – auch in Österreich. Sind Sie jetzt froh, daß in Deutschland gestreikt wird und damit wahrscheinlich auch die Auseinandersetzung in Österreich ausgelöst wurde?

Dallinger: Ich bin überhaupt nicht befriedigt, ich sehe mit großer Sorge, daß der Konflikt viel tiefer geht, als es den Anschein hat, und ich beklage die starre Haltung der deutschen Unternehmer.

ZEIT: Nur die der Unternehmer, sind nicht auch die Arbeitnehmer starr?

Dallinger: Ich weiß, daß die Gewerkschaften gesprächs- und kompromißbereit sind, aber die Unternehmer lehnen jedes Gespräch ab. Ich bin aber glücklich, daß sich hier in Österreich in dieser Frage ein Sinneswandel zeigt.

ZEIT: Wo sehen Sie den Sinneswändel?

Dallinger: Ich sehe, daß überall Gesprächsbereitschaft signalisiert wird, bei Managern, Unternehmern und Verbänden. Es wächst das Verständnis für eine Veränderung der Zeitabläufe, das ist es, was ich wollte.

ZEIT: Ist das, was sich in der Bundesrepublik abspielt, ein Vorbild für das weitere Vorgehen der Gewerkschaften in Österreich für die Durchsetzung der Arbeitszeitverkürzung?