Von Carl Graf Hohenthal

Wir Bauern sind eigentlich treue Anhänger der CDU. Deshalb glaubt die Regierung wohl, daß sie alles mit uns machen kann. Aber die Brüsseler Agrarbeschlüsse sind eine Zumutung. Zu den Europa-Wahlen werden bestimmt viele von uns nicht gehen.“ Der das so entrüstet sagt, heißt Cord Ladiges, ist zwanzig Jahre alt und mit ganzer Seele Landwirt. Er ist einer der vielen, die von Agrarminister Ignaz Kiechle enttäuscht sind und ihm in letzter Zeit mit Demonstrationen und anderen Unmutsbekundungen das Leben schwer machen, wo immer er hinkommt.

Hinter dem Hamburger Villenvorort Rissen hat die Familie Ladiges ihren Hof. Früher wohnten die Ladiges mitten im Ort. Doch da wurde es ihnen zu eng und der Verkehr zu stark. So baute die Familie ein paar Kilometer weiter ein neues Haus und dazu einen großen, modernen Boxenlaufstall für Kühe. Die Ladiges haben einen reinen Milchbetrieb.

„Der Boden ist hier nicht so gut. Da lohnt sich die Milchwirtschaft am ehesten*, erklärt Hinrich, der 26jährige Bruder von Cord. „Jetzt haben wir 82 Kühe im Stall, die ordentlich Milch geben.“ Doch die Freude über die guten Leistungen seiner Tiere ist seit kurzem getrübt, denn die Milchwelt hat sich drastisch verändert.

Bisher konnten sich Hinrich und Cord Ladiges darauf verlassen, daß der Tankwagen der Molkerei täglich die gesamte Produktion ihrer Kühe – derzeit etwa 1300 Liter – zu einem garantierten Preis mitnahm. Aber seit die europäischen Landwirtschaftsminister beschlossen haben, die Milchproduktion in der Gemeinschaft zu begrenzen, ist es mit diesen paradiesischen Zuständen vorbei:Den Garantiepreis aus der Staatskasse gibt es nicht mehr für jeden Liter.

Ohne eine Drosselung der Milchflut schien den Agrarministern das Grüne Europa nicht mehr finanzierbar. Daß es soweit kommen konnte, ist die Folge einer aberwitzigen Agrarpolitik. Im Namen Europas garantieren die zehn Staaten ihren Bauern überhöhte Preise und schotten die Grenzen zum viel billigeren Weltmarkt ab. Dadurch wurde und wird eine Überproduktion ausgelöst, die jetzt die Gemeinschaft an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hat. Der Milch- und Butterberg hat inzwischen eine Höhe erlangt, die selbst Reinhold Messner reizen könnte: 900 000 Tonnen Butter und eine Million Tonnen Magermilchpulver liegen auf Halde. Jedes dritte Päckchen Butter, das die Molkerei verläßt, ist überflüssig. Allein die Finanzierung der Überschußproduktion wird in diesem Jahr weit über vierzig Milliarden Mark verschlingen.

Doch nicht nur auf dem Milchmarkt sieht es schlecht aus; bei Getreide und Fleisch ist es kaum besser. Die Rindermärkte sind verstopft; sowohl im Inland als auch im Ausland stagniert der Absatz. Herbert Wüst von der Südfleisch GmbH in München führt diese Entwicklung unter anderem auf die schlechte Qualität der Tiere zurück. „Die Bauern hoffen, daß die Preise steigen, und warten mit dem Verkauf. Und dann kriegen wir Tiere, die zu alt und zu fett sind, und sollen selbst schauen, wie wir sie losbringen,