Von Kurt Wendt

Die meisten Investment-Manager fühlen sich längst nicht mehr wohl in ihrer Haut. "Ist die Zeit über uns hinweggegangen?" fragen sie sich selbstkritisch. Und dies mit einigem Recht. Denn selbst im "Jahr der Aktie", also 1983, zeigten sich die Anleger gegenüber den traditionellen Publikum-Aktienfonds mit breiter Risikostreuung zurückhaltend.

Gut verkaufen ließen sich eigentlich nur Anteile der neu aufgelegten sogenannten Spezialitätenfonds, die ihre Anlagepolitik auf bestimmte Branchen oder Regionen konzentrieren. Allerdings beginnt sich hier eine gewisse Katerstimmung zu verbreiten. Denn bei den meisten Fonds sind die in Aussicht gestellten Anlageerfolge bislang ausgeblieben.

Auch die Manager der Rentenfonds fühlen sich nicht unbedingt glücklich. Soweit sie sich nach ihren Satzungen auf die Anlage in inländischen festverzinslichen Papieren konzentrieren müssen, war es ungemein schwer, neue Fonds-Anteile zu verkaufen.

Wenn es dennoch bei den Rentenfonds ein beachtliches Wachstum gibt, dann hat das im wesentlichen zwei Gründe: Die international anlegenden Rentenfonds haben wegen der im Ausland immer noch hohen Zinsen an Attraktivität gewonnen, zum anderen verzeichnen jene Fonds einen stetigen Mittelzuwachs, die sich auf Versicherungsgesellschaften stützen können, und damit auf einen Vertriebsweg, der nicht von den Kreditinstituten abhängig ist.

Ungeachtet der Tatsache, daß sich die meisten deutschen Investment-Gesellschaften im Besitz von Banken befinden, versuchen die Kreditinstitute mit Erfolg, das Geld ihrer Kunden "im Hause" zu behalten. Sie bieten ihnen entweder eigene Sparbriefe, Schuldverschreibungen und Zusatzzinsen für Spareinlagen an, oder machen ihnen eine Direktanlage in festverzinslichen Papieren schmackhaft. Mit ihr bleiben die Kunden in irgendeiner Weise der Bank oder auch Sparkasse direkt verbunden und sind Aspiranten für Anschlußgeschäfte. Die Zeiten, in denen die "Kleinkundschaft" aus Kostengründen in die Investment-Fonds abgedrängt wurde, scheinen bei mancher Bank vorüber zu sein. Der Computer macht auch den kleinsten Kunden wieder rentabel.

Außerdem fällt es angesichts der zur Zeit noch vergleichsweise hohen Zinsen leicht, dem Kunden die Direktanlage in festverzinslichen Papieren zu empfehlen. Wer will, kann sich heute für zehn Jahre einen Zins von etwas mehr als acht Prozent sichern. Ob dies bei den deutschen Rentenfonds möglich sein wird, ist zumindest eine offene Frage.