Der Haushaltsgeräte-Konzern Zanussi soll nicht in schwedische Hände geraten

Bis zur vergangenen Woche schien es so gut wie sicher, daß der schwedische Konzern Electrolux den größten italienischen Hersteller für Elektrohaushaltsgeräte, Zanussi, übernehmen würde. Schon war der Electrolux-Präsident Hans Werthen zu den Schlußbesprechungen nach Italien gereist. Da stellte Rom das Signal auf Rot. Regierung, Gewerkschaften und Industrieverband sind sich auf einmal einig, daß der sanierungsbedürftige Konzern nicht in ausländische Hände geraten darf.

Im europäischen Geschäft für Elektrohaushaltsgeräte ist die Zanussi-Gruppe in Pordenone bei Venedig der Weiße Riese. Mit 30 000 Beschäftigten ist sie das zweitgrößte metallverarbeitende Unternehmen Italiens nach Fiat. Jeder sechste europäische Kühlschrank kommt von Zanussi. Die Hälfte der jährlichen Produktion im Gesamtwert von drei Milliarden Mark wird exportiert, vor allem in die Bundesrepublik.

Wenn Zanussi trotzdem nicht so bekannt ist, dann kommt es daher, daß dieser Konzern bei weitem nicht alles unter seinem Firmennamen verkauft. Die "weißen" Elektrohaushaltsgeräte wie Kühlschränke, Tiefkühltruhen, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Wäschetrockner werden auch unter anderen Marken angeboten wie Rex oder Zoppas, dem Familiennamen einer ehemaligen Konkurrentin, die Zanussi gekauft hat. Der Zoppas-Erbe heiratete eine Zanussi-Tochter und ist seit zwei Wochen neuer Präsident des Konzerns.

Da die eigenen Absatzwege die produzierten Massen aber gar nicht alle aufnehmen können, arbeitet Zanussi seit Jahrzehnten auch für Konkurrenten: Wer einen Hoover-Staubsauger erwirbt, denkt nicht daran, daß der bei Zanussi hergestellt wurde, und wer Küche und Waschraum aus dem Quelle-Katalog einrichtet, vermutet wohl kaum Zanussi als Produzenten der automatischen "Saubermacher". AEG hatte ihre langjährigen Lieferabkommen mit Zanussi sogar durch eine Beteiligung von 25 Prozent am Kapital des Elektrogeräteherstellers untermauert. Der deutsche Konzern löste das 100-Millionen-Mark-Engagement 1978 aus Mangel an flüssigen Mitteln wieder auf, vereinbarte aber, weiterhin ein Fünftel bis ein Viertel der weißen Zanussi-Produktion abzunehmen.

In die Finanzklemme kam Zanussi, weil die Gruppe zu viele kleinere Unternehmen aufgekauft hat, ohne daß dieses Familienunternehmen auf einem genügend dicken Kapitalpolster sitzt. Mitten in dieser Expansionsphase brach dann die Krise am Weltmarkt für Elektrohaushaltsgeräte aus. Zanussi mußte in den letzten Jahren jeweils ein paar hundert Millionen Mark Verluste einstecken. Die Schulden haben nun 1,6 Milliarden Mark erreicht.

Als Retter in der Not bot sich zunächst ein italienisches Unternehmerkonsortium unter Fiat an. Schon hatten die Turiner Enrico Cuttica, einen ihrer besten Sanierungsspezialisten, als Zanussi-Präsidenten in den Sättel gehievt. Schon war es auch gelungen, die besonders verlustreiche Produktion von Farbfernsehgeräten auf eine vom Staat organisierte Branchenholding zu übertragen. Die Region Friaul-Venetien, in der die meisten Zanussi-Fabriken liegen, bot die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung sowie günstige Kredite an. Nur die Banken mußten noch einer Konsolidierung der Schulden zustimmen, dann wäre das Sanierungsvorhaben komplett gewesen, das freilich einen wesentlichen Rückgang der Familienbeteiligung von neunzig Prozent zur Folge gehabt hätte.