Vor der Küste Mexikos gingen die unbekannten Organismen in die Falle der Forscher: Bakterien, die in mittleren Meerestiefen leben und dort das im Wasser gelöste Kohlendioxid in für sie verwertbares Futter umwandeln. Dabei sind sie nicht direkt auf die per Photosynthese in grünen Pflanzen und Algen eingefangene Sonnenenergie angewiesen (vor einigen Jahren wurden in Heißwasserquellen auf dem Meeresgrund bereits ähnliche Bakterien entdeckt, die ihre Nahrung ganz ohne Photosynthese gewinnen). Die im Meer schwimmenden Kleinalgen, das Phytoplankton, sind die Grundlage für das Leben im Ozean. Wenn sie nach ihrem Tod absinken, wird bei ihrer Zersetzung Ammoniak frei. Beim Vermessen des Ammoniakgehaltes stieß eine amerikanische Forschergruppe auf die Spur der neuen Bakterien: Der Ammoniakgehalt nahm bis in 150 Meter Tiefe zu, danach jedoch stetig ab. Als Ursache machten die Wissenschaftler, wie sie im Fachblatt Nature berichten, „nitrifizierende Bakterien“ aus: Sie nutzen die bei der Oxidation von Ammoniak freiwerdende Energie, um das Kohlendioxid in organischen Kohlenstoff umzuwandeln. Diese Entdeckung macht neue Berechnungen des Nahrungs- und Energiehaushalts in den Tiefen des Ozeans nötig. Aber auch die Diskussion um die Zunahme des Kohlendioxids in der Atmosphäre (Stichwort: Treibhauseffekt) wird beeinflußt: womöglich verschwindet ein Teil des CO2 in den Bakterien. JR