Von Isolde von Mersi

Es muß eine finstere Zeit gewesen sein, das 12. Jahrhundert. Mit heiligem Schauer notierte der fromme Chronist, „daß das Land durch eine wüste und unfruchtbare Heide ganz abscheulich, dazu das Wesen der Bewohner roh und ungebildet war ... Denn die Verehrung von Hainen und Quellen und sonst noch mancherlei Aberglauben herrschte bei ihnen.“

Slawische Wenden waren es, die den Pfarrer und Geschichtsschreiber Helmold mit ihrem heidnischen Gehabe dermaßen erschreckten. Und Schleswig-Holstein ist das Land, dessen Kolonisierung und Christianisierung durch deutsche Fürsten und Bischöfe er in seiner „Slawenchronik“ um 1170 getreulich beschrieben hat.

Längst ist das einst furchterregende Land „zwischen den Meeren“ zu einem teils idyllischen, teils recht gewaltsam erschlossenen Ferienland geworden, in dem pro Jahr rund fünf Millionen Gäste Urlaub machen. Doch es gibt noch ungezählte Orte, wo die Erinnerung an die Vergangenheit Schleswig-Holsteins aufbewahrt geblieben ist. Zu den anmutigsten, stillsten Plätzen dieser Art gehören die ländlichen Kirchen. Sie sind gar nicht weit entfernt von behaglichen Strandkörben und lauschigen Picknick-winkeln an Flüssen und Seen.

Die bekanntesten Kirchen des Landes sind die nach dem Bischof und Missionar Vicelin (1090-1154) benannten romanischen Gotteshäuser. Von den vielen „Vicelinskirchen“ des 12. Jahrhunderts hat der Bischof in Wahrheit aber nur fünf selbst gegründet, darunter die von Bornhöved, Schlamersdorf und Oldesloe. Alle übrigen sind unter Bischof Gerold entstanden, der nach Vicelins Tod die Missionierung der Wenden fortsetzte.

Die letzte Kirchengründung Vicelins war Bosau, damals noch eine Insel im Großen Plöner See. Strahlend weiß, wie ein Leuchtturm vom lieben Gott, schimmert die St.-Petri-Kirche durch die Bäume am Seeufer. Aus der um 1125 vollendeten bischöflichen Basilika wurde um 1200 eine bäuerliche Kirche ostholsteinischer Prägung – und das ist sie, trotz einiger Umbauten im 17. Jahrhundert, bis heute geblieben.

Ein wertvoller Flügelaltar, um 1350 von einem unbekannten Meister aus Eichenholz geschnitzt, zeigt Christus als Richter der Welt, flankiert von Maria, Johannes und den zwölf Aposteln. Ganz klein und bescheiden zu Füßen des Herrn stehen alttestamentarische Propheten, die klugen und die törichten Jungfrauen traut nebeneinander.