Von Rudolf Herlt

Richtige Männer sind hierzulande selten geworden. Heißt es nicht, der Mann müsse in seinem Leben ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen? Auf allen drei Gebieten leisten die Männer in der Bundesrepublik heute keine Rekorde mehr. Zum Hausbauen kam bisher nur eine Minderheit von 39 Prozent der Haushaltsvorstände. Nicht einmal die Hälfte derer, die bei Umfragen das Eigenheim an die erste Stelle ihrer Wunschskala setzten, konnte sich bisher ihren Wunsch erfüllen.

Nur wer jenes Fünftel des Kaufpreises für ein Objekt als Eigengeld zusammenkratzen konnte, hatte es relativ leicht. Drei weitere Fünftel erhielt er als erste Hypothek von Hypothekenbanken oder Sparkassen und Bausparkassen geliehen.

Die öffentliche Hand hat kräftig mitgeholfen, durch Wohnungsbauprämien, steuerliche Abzugsfähigkeit, Grunderwerbssteuervergünstigungen, Landesbürgschaften mit Bundesrückbürgschaften – um nur die wichtigsten Fördermaßnahmen zu nennen – den Traum vom Eigenheim für viele wahr werden zu lassen. Jede Bundesregierung war mehr oder weniger davon überzeugt, daß die Bildung von Wohneigentum die politisch wichtigste Form der Vermögensbildung sei.

Den Bauspekulanten fiel beim Eigenheimerwerb eine überragende Rolle zu. Sie sind an achtzig Prozent aller Wohnungsbaufinanzierungen beteiligt, stellten rund vierzig Prozent aller Mittel für Wohnungsbauinvestitionen zur Verfügung, haben seit der Währungsreform weit über 500 Milliarden Mark für den Wohnungsbau und für Modernisierungs- und Renovierungszwecke ausgezahlt. Bei rund einem Drittel der Bausparer war die Zuteilung ihres Bausparvertrages Auslöser für den Eigentumerwerb.

Die kollektive Form des Sparens der in einer Bausparkasse zusammengeschlossenen Bausparer mit dem Ziel, Wohneigentum zu bauen oder zu erwerben, geht von dem gesunden Grundsatz aus: Erst sparen, dann konsumieren. Die monatlichen Sparbeiträge fließen in eine gemeinsame Zuteilungsmasse, aus der dann nach Erreichen eines Mindestguthabens und nach Ablauf einer Mindeswartezeit die Bausparverträge zugeteilt werden. Bei der Zuteilung erhält der Bausparer sein Sparguthaben und den Differenzbetrag zur Bausparsumme als Darlehen.

Die in den siebziger Jahren blühende Branche der Bausparkassen – heute werben 16 private und 13 öffentliche um die Gunst der Sparer – sah sich Anfang der achtziger Jahre eiskalten Winden ausgesetzt. Die Rezession wirkte auf die Wünsche, ein eigenes Haus zu erwerben, wie ein Dämpfer. Das Sparverhalten änderte sich in der Hochzinsphase, Festgeld brachte mehr als ein Bausparvertrag mit den früher großzügig gewährten staatlichen Vergünstigungen.