Die Empörung im Management von Mannesmann war groß, als die Zeit vor einem Jahr auseinanderlegte, daß weniger den vielkritisierten Schweizer Chemiekonzern Hoffmann-La Roche die Schuld an dem damals virulenten Dioxin-Skandal traf, als vielmehr die italienische Tochtergesellschaft des Düsseldorfer Röhrenkonzerns. Die Mannesmann Italiana nämlich hatte sich verpflichtet, für 159 000 Mark jene 41 Dioxin-Fässer sicher zu beseitigen, die giftige Rückstände aus der Explosion bei der Roche-Firma Icmesa im italienischen Seveso enthielten. Wochenlang hatte halb Europa nach den verschollenen Fässern gesucht, ehe herauskam, daß die Mannesmann-Firma den heiklen Abfall einem französischen Müllkutscher anvertraut hatte, der nicht in der Lage war, das Dioxin sicher zu entsorgen.

Jetzt, ein Jahr später, hat Mannesmann in aller Stille ein Schuldeingeständnis nachgereicht. Von Roche wegen Nichterfüllung des Entsorgungs-Vertrags verklagt, hat Mannesmann-Chef Franz Josef Weisweiler sich auf einen Vergleich mit Hoffmann-La Roches Verwaltungsratspräsident Fritz Gerber eingelassen, der Mannesmann schlecht aussehen läßt. Der Vertrag zwischen Icmesa und Mannesmann Italiana wird aufgehoben, die Roche-Firma erhält ihr Geld zurück. Überdies aber zahlt Mannesmann an die Icmesa 2,5 Millionen Schweizer Franken für die Beseitigung des Dioxin-Mülls. Wer soviel zahlt, kann kein reines Gewissen haben.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) tut etwas für seine Schäfchen. Nachdem sein Parteifreund Christian Bartelt nicht wieder in den Hessischen Landtag einrücken konnte, besorgte ihm der Bürgermeister einen Job als Geschäftsführer der Frankfurter Messe. Das hat die SPD als „nicht besonders guten Stil“ empfunden. Bisher hielten sich die deutschen Messegesellschaften etwas darauf zugute; daß ihre Chefs unabhängig vom Parteibuch bestellt werden. Und noch im vergangenen Herbst hatte Horstmar Schnorr, Hauptgeschäftsführer in Frankfurt, beteuert: „Nein, keiner der Geschäftsführer der Messe Frankfurt gehört einer Partei an.“

Die wütende Konkurrenz nennt Manfred Kullack, Besitzer des Billmericher Hofs in Unna, nur noch den „J.R. von Billmerich“. Kein Wunder: Kullack nimmt für ein Glas Bier nur 50 Pfennig, in allen anderen Kneipen der Umgebung müssen die Zecher 1,20 Mark zahlen. Jetzt strömen die Kneipengänger aus ganz Unna an Kullacks Tresen. Am Bier verdient er zwar nichts, aber Gewinn macht er mit Schnaps und Essen.

Als der ehemalige Busunternehmer dann auch noch diejenigen Gäste nach Hause fuhr, die aus Freude über das Billig-Bier kräftig gebechert hatten, gab es Krach mit der Konkurrenz. Eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs hatte Erfolg. Der Richter untersagte den Transport angeheiterter Kunden. Kullack bleibt gelassen: „In Deutschland darf man alles tun, nur nicht die Preise senken.“

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Eineinhalb Stunden lang hat Bundeskanzler Helmut Kohl in der vergangenen Woche die Delegierten des Verbandstages des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mit Altbekanntem traktiert – mit Aufrufen zur geistig-moralischen Erneuerung, mit Hinweisen auf sittliche, ja: religiöse Werte und Pflichten und auf eine junge Generation, die wieder zu Hoffnungen Anlaß gebe. Da mochte denn anschließend BVR-Präsident Bernhard Schramm, auch ein seit Jahren gefürchteten Diätkoch unter den Bonner Rhetorikern, nicht zurückstehen. „Dies ist Ihr Auditorium“, himmelte er den Kanzler an. Und er fuhr fort: „Sie haben vor sich die Repräsentanten der 3.700 genossenschaftlichen Banken, die – seien Sie versichert! – Ihre Botschaft, den Inhalt Ihrer Rede, Ihr politisches Wollen draußen in vielfältiger Weise übermitteln und interpretieren werden.“