So tief wie diesmal hat der Karren noch nie im Dreck gesteckt. Sicher, es gab auch früher harte Tarifauseinandersetzungen. Auch in den vergangenen Jahren haben uns Arbeitgeber wie Gewerkschaften immer wieder weismachen wollen, diesmal gehe es um Sein oder Nichtsein. Doch fast immer war der Weg zu einem Kompromiß vorgezeichnet. Diesmal aber droht der Konflikt außer Kontrolle zu geraten. Die Funktionäre der Arbeitgeber und der Gewerkschaften sind zu Gefangenen ihrer eigenen Taktik geworden. Der IG Metall sind zudem gravierende Fehler bei der Planung des Streiks unterlaufen (siehe dazu Seite 25: „Wir stehen im Eck“).

Völlig versagt haben aber auch die Politiker. Statt zur Entkrampfung beizutragen und den streitenden Parteien bei der Suche nach einem Kompromiß vorsichtig Hilfestellung zu geben, gießen sie fortwährend Öl ins Feuer. Das gilt für die grobschlächtigen Äußerungen von Kanzler Kohl ebenso wie für die verbalen Kraftakte des Bundeswirtschaftministers, der damit die Metaller und Drucker bis zur Weißglut reizt. Es gilt aber auch für die einseitige und oft im Jargon des Klassenkampfes vorgetragene Parteinahme der SPD zugunsten der Gewerkschaften.

Wenn aus dem legitimen Arbeitskampf immer mehr ein politischer Streik wird, dann haben die Parteien nach Kräften dazu beigetragen.. mj