Es bedurfte nicht der vielgerühmten Witterung Hans-Dietrich Genschers. Die Fakten waren unübersehbar: Seine Niederlage beim Amnestiegesetz, das im Protest der Partei unterging, und sein Rückzieher beim Vorschlag des Generalsekretärs waren Symptome einer Veränderung der Machtstruktur in der Partei. Eine neue Generation organisiert jetzt in der FDP die Mehrheiten. Genscher hat die Konsequenzen gezogen: Er will den Parteivorsitz nur noch für zwei Jahre behalten, die FDP nicht mehr im nächsten Bundestagwahlkampf führen.

Fast zehn Jahre lang – länger als jeder andere Parteivorsitzende – hat Genscher die Partei geführt. Viele Jahre war er unangefochten. Da wurde unter Liberalen über alles gestritten, nur nicht über Genscher. Und es gab auch Zeiten, Mitte der siebziger Jahre, da galt er als der mächtigste Mann der Republik. Nicht zufällig und nicht erst am Ende der sozialliberalen Koalition lautete die wichtigste Frage in Bonn: Was will Genscher?

Jetzt wird man fragen müssen: Was will die FDP? Gewiß nicht das Ende der Koalition, aber mehr Selbständigkeit im Bündnis wohl doch. Leichter wird das Geschäft für den Kanzler dadurch nicht. Ehrgeiz, auch Engagement sind in der Generation der Vierzigjährigen erkennbar, aber noch keine klare politische Formation. Der Parteitag in Münster wird nun vermutlich glimpflich ablaufen, aber die Probe der Überlebensfähigkeit ist für die FDP damit längst nicht zu Ende. el