Den Zusammenschluß von Aerospace und Emi könnte nur die Monopolkommission verhindern

Was haben der Pop-Star David Bowie und der europäische Airbus, die Küchenmaschine Kenwood und die Fliegerabwehrrakete Rapier, der Videorekorder Ferguson und der Fernsehsatellit ECS 1 miteinander gemein? Nicht viel – bis jetzt. Aber demnächst könnten sie alle unter einem Dach vereint sein. Dies jedenfalls ist die Absicht des britischen Konzerns Thorn Emi, der das Luft- und Raumfahrtunternehmen British Aerospace schlucken will. Der Schritt hat in Großbritannien Aufsehen erregt, obwohl hier ungewöhnliche Kombinationen nicht selten sind.

Sir Austin Pearce, der Vorsitzende von British Aerospace, sparte sich die „Bombe“ bis zum Ende seines Berichts in der Hauptversammlung auf. Erst rühmte er die „starke finanzielle Position“ seiner Gesellschaft, die sich in „exzellenter Verfassung“ befinde und einer „prosperierenden und spannenden Zukunft“ entgegengehe. Dann enthüllte er die Sensation, welche den Börsenkurs von British Aerospace in die Höhe trieb und den von Thorn Emi unter heftigen Druck setzte.

Kommt es zu einer Fusion – praktisch eine Übernahme von British Aerospace durch Thorn Emi dann würde einer der größten britischen Konzerne entstehen mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Pfund (rund 19 Milliarden Mark), 167 000 Beschäftigten und einem Börsenwert auf Basis jetziger Kurse in der Größenordnung von 1,6 Milliarden Pfund oder sechs Milliarden Mark. Die Fusion könnte von einer Untersuchung durch die Monopolkommission aufgehalten werden. Aber es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß es dazu kommen wird.

Was hat den 55jährigen Vorsitzenden von Thorn Emi, Peter Laister, bewogen, auf Brautschau zu gehen? Es sei sein Ziel, in Bereiche hoch entwickelter Technik einzusteigen und eine Ergänzung zu finden zu den dominierenden Geschäftszweigen, die auf den britischen Verbraucher ausgerichtet sind. Laister, ein Ingenieur für chemischen Anlagebau, der seine Karriere bei Esso begonnen hat und dann bei dem Gas-Unternehmen British-Oxygen und der Reederei Ellermann Lines fortsetzte, leitet eine in den zwanziger Jahren von dem Österreicher Jules Thorn gegründete und weitgehend durch Fusionen vergrößerte Gruppe, in der die Unterhaltung dominiert.

Fernsehgeräte und Videorekorder werden hergestellt und vermietet. Thorn Emi nennt sich die größte Mietorganisation auf diesem Gebiet in der weit. Für Thorn Emi singt Cliff Richard und dirigiert Herbert von Karajan. Das Unternehmen steckt Geld in die Film- und Fernsehproduktion, hat ein eigenes Atelier und die größte Kinokette in Großbritannien sowie eine Beteiligung am privaten Fernsehen und an Kabelgesellschaften. Es versorgt die Briten mit Waschmaschinen und Herden, beheizt und erleuchtet ihr Heim.

Es hat sich mit der schwedischen Firma Ericsson verbunden, um in den sich liberalisierenden Markt für Telekommunikation einzubrechen. Es baut Radaranlagen und Nachtzielgeräte für die britischen Streitkräfte. Im Geschäftsjahr 1982/83 (31. März) erwirtschafteten die 91 000 Beschäftigten aus einem Umsatz von 2,7 Milliarden Pfund (jetzt 10 Milliarden Mark) einen steuerpflichtigen Gewinn von 122 Millionen Pfund (470 Millionen Mark) für 56 000 Aktionäre.