Noch ist die Erinnerung nicht ganz verblaßt an jene Tage, in denen die Mitarbeiter des Büromaschinenherstellers Triumph-Adler in Frankfurt mit Fahnen, Transparenten und Parolen dagegen protestierten, daß sie ihre Arbeitsplätze verlieren sollten. Vertreter der IG Metall unterstützten sie dabei nach Kräften. Sie verurteilten die „Vernichtung von Arbeitsplätzen“ und wetterten gegen „Unternehmerwillkür“. Die Proteste hatten Erfolg. Die Manager des Volkswagenwerks, der Muttergesellschaft von Triumph Adler, fürchteten um den guten Ruf ihres Unternehmens und gaben nach.

Es war, wie sich inzwischen gezeigt hat, ein nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich gesehen, richtiger Entschluß. Nach einer rigorosen Modernisierung der Produkte und Produktionsanlagen hat sich Triumph-Adler wieder einen beachtlichen Platz auf dem expandierenden Markt für elektronische Schreibmaschinen erkämpft. Die Mitarbeiter können auf das Ergebnis ihrer Arbeit stolz sein. Die Chancen, auf dem heiß umkämpften Markt zu überleben, sind gestiegen.

Doch was ist geschehn? Ausgerechnet dieses Unternehmen mit seinen so mühsam und unter großen finanziellen Opfern geretteten Arbeitsplätzen wurde von den Streik-Strategen der IG Metall auf die Liste der Betriebe gesetzt, die zuerst lahmgelegt wurden. Und dieselben Mitarbeiter, die vor nicht allzulanger Zeit vor den Toren standen, um für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren, fanden nichts dabei, jetzt von derselben Stelle aus die Produktion zu blockieren. Ein merkwürdiger Beitrag zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze. mj