Von Hermann Bößenecker

Technikfeindlichkeit ist nicht mehr Trumpf unter den jungen Leuten. „Die Unkenrufe der letzten Jahre haben an der Technischen Universität München zu einem rapiden Anstieg der Studentenzahlen geführt“, registriert Personalmanager Georg Spickenreuther von der Luft- und Raumfahrtfirma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). An anderen Hochschulen ist es ebenso.

Erstmals seit zehn Jahren wird 1984 die Zahl der Absolventen im Fach Elektrotechnik an den Universitäten und Fachhochschulen in der Bundesrepublik wieder zunehmen, freut sich deshalb auch Professor Ernst Golling, der beim Elektrokonzern Siemens den technischen Nachwuchs betreut. Seit den frühen siebziger Jahren, als jährlich annähernd 6600 Techniker ihr Studium abschlossen, waren es immer weniger geworden – bis 1983 mit rund 5500 ein Tiefpunkt erreicht wurde.

„Sobald wieder mehr Schwung in die Wirtschaft kommt, wird sich zeigen, daß wir dennoch zu wenig junge Techniker ausbilden“, fürchtet trotz der steigenden Zahlen Professor Walther Keßler, der Präsident der Fachhochschule (FH) München, Das gelte vor allem in den Fachrichtungen Elektrotechnik und Informatik. Für ihn gibt es gar keinen Zweifel: „Wir brauchen immer noch mehr Ingenieure.“

Keßler beklagt die „katastrophale Enge“ an den zehn bayerischen Fachhochschulen. München bildet neuntausend Technik-Eleven aus, ist aber nur für 4900 geplant. Da, wo einer studieren sollte, drängeln sich heute schon zwei.

Noch Ende 1980 beschwor der BMW-Vorstandsvorsitzende Eberhard von Kuenheim eine Gefahr für „die ganze nächste Generation“. Rund ein Viertel der benötigten Ingenieure fehlten bereits,

„Zwei Stellenangeboten steht nur ein Stellengesuch gegenüber“, mahnte der BMW-Chef damals. In der Elektronik und im Maschinenbau sei das Verhältnis trotz der allgemein wachsenden Arbeitslosigkeit sogar 4 zu 1. Dagegen überwiege bei nichttechnischen Berufen bei weitem die Nachfrage: Bei Volkswirten betrage das Mißverhältnis zwischen Stellenangebot und Bewerber 1 zu 16, bei Soziologen 1 zu 36 und bei Politologen gar 1 zu 66.