Erstens: Durch das Versprechen eines Lohnes für den Nachweis der Gelegenheit zur Eingehung einer Ehe oder für die Vermittlung des Zustandekommens einer Ehe wird eine Verbindlichkeit nicht begründet. Das auf Grund des Versprechens Geleistete kann nicht deshalb zurückgefordert werden, weil eine Verbindlichkeit nicht bestanden hat.

Zweitens: Diese Vorschriften gelten auch für eine Vereinbarung, durch die der andere Teil zum Zwecke der Erfüllung des Versprechens dem Makler gegenüber eine Verbindlichkeit eingeht, insbesondere für ein Schuldanerkenntnis.

Die einfache Gabi (21/1,63) und der ehrliche Horst (31/1,73) wissen erstens, was das bedeutet, und zweitens, warum das hier steht.

Erstens: Die zitierten Bestimmungen bilden den Paragraphen 656 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Über hundert Jahre Rechtskraft hat er auf dem Buckel, und er gilt bis zum heutigen Tag. Was er uns sagen will: Eheinstitute dürfen den Lohn für ihre Leistung nicht einklagen. Hundert Jahre lang haben die Eheinstitute sich ihre Dienste deshalb bezahlen lassen, bevor sie erbracht wurden. Das war schlecht für die Heiratsvermittler, weil kundige Kunden fernblieben, und auch schlecht für Horst und Gabi, die einfach und ehrlich ihr Geld gaben.

Zweitens: Helmut Kohl – laut Bild ein Bürgerkanzler – fühlt sich allen Horns und Gabis besonders verpflichtet. Er vergißt sie nicht, wenn er jetzt das Maklerrecht neu ordnet. Herzensdinge rangieren gleich nach Immobilien. Ein Gesetzentwurf liegt vor und soll bald im Bundestag beraten werden. Der Paragraph verschwindet, und mit ihm verschwinden die Vorleistungen. Künftig können Raten gezahlt werden, ist die Kündigung des Vertrages zum Ende des Monats möglich, müssen alle Vereinbarungen schriftlich getroffen werden. Das Ministerium will damit eine „Preis-Leistungs-Relation“ gewährleisten. Horst und Gabi jubeln:

„Bald gibt’s mehr Ehe fürs Geld.“