Zu sagen ist leicht: Für Freiheit zahlt man mit Freiheit – Man muß es tun.

Dies sind Zeilen des sowjetischen Staatsbürgers baschkirischer Herkunft Nizametdin Shamsutdinovich Achmetow, der seit achtzehn Jahren ununterbrochen in Straflagern seines sozialistischen Landes gefangen ist. Der um 1947 geborene Angehörige der tartarischen Minderheit in der Sowjetunion wurde nach der Veröffentlichung einiger seiner Gedichte in der Zeitschrift des internationalen P.E.N.-Clubs vom französischen und österreichischen Zentrum zum Mitglied gewählt. Seine Gedichte spiegeln die Erfahrungen eines Menschen, der praktisch sein gesamtes bewußtes Leben in Haft verbringen mußte. Seine „antisowjetischen Aktivitäten“, deretwegen seine Strafe immer wieder verlängert wird, bestehen darin, daß er seine Mitgefangenen über den Widerspruch zwischen marxistisch-leninistischer Theorie und sowjetischer Wirklichkeit aufklärt. Achmetovs Vater beging 1983 Selbstmord. Sein Bruder ist ebenfalls in Haft. Er selber wurde 1982 so mißhandelt, daß ihm die Amputation beider Beine drohte. Sein bisher letztes Lebenszeichen, mit einer Ladung Exportholz in den Westen geschmuggelt, stammt vom Januar 1983.

Der Geist bleibt zu Hause

Vor sieben Jahren hatten die Hamburger Architekten Hans Mensinga und Dieter Rogalla ihren bisher größten Erfolg: Sie gewannen den Wettbewerb und bekamen bald den Auftrag, das neue Botschaftsgebäude der Bundesrepublik in Moskau zu entwerfen, 1981 lagen ihre sämtlichen Ausführungspläne vor, nach beschwerlichen Verhandlungen war es nun, am 21. Mai, so weit: Unser Außenminister war in Moskau, und so legte er den Grundstein. Man muß befürchten, daß er die Abwesenheit der wichtigsten Personen, der Architekten, gar nicht bemerkt hat. Nein, natürlich wären sie nicht gerade unwillkommen gewesen, nur überflüssig. Man hatte ihnen klar gemacht, daß sie Reise und Aufenthalt selber hätten bezahlen müssen; der Bundesrechnungshof untersagte dem Staat Ausgaben für derlei Privatvergnügen. Die Architekten erfuhren zugleich, daß dasselbe auch für das Richtfest und selbstverständlich auch für die Einweihung gelte, wie wichtig sie das selber auch nähmen. Den Schlüssel könnten auch andere überreichen, Bundesbaubeamte zum Beispiel, der Bauherr gewissermaßen dem Bauherrn. So wird demnächst, wenn die neue bundesdeutsche Botschaft in Buenos Aires eröffnet wird, auch der Architekt Dieter Oesterlen tief in seine Tasche greifen müssen. Im Rechnungshof sitzen, wie man weiß, exzellente Rechner, die für alles andere taub und blind sind, Ignoranten. Interessant ist nur, daß die Regierung sich mit der Sparsamkeit auch die schlechten Umgangsformen vorschreiben läßt und mit gehorsamem Stumpfsinn das Wichtigste mißachtet: die geistige Urheberschaft.

Verleger Zimmermann

Es ist schon von besonderer Pikanterie, daß Bürger der Bundesrepublik Deutschland den Verfassungsminister Friedrich Zimmermann an die Einhaltung von Gesetz und Ordnung erinnern müssen. Zimmermann will sich nicht länger nur als Cinéast profilieren, der deutsche Filme verhindert, sondern auch als Verleger – mit unserem Steuergeld. Ab (in jedem Sinn) „beschränkte“ Ausschreibung unter Schulbuch-Verlagen entläßt das Haus des Innenministers ein Schreiben, das von schlechtem und bürokratischem Deutsch strotzt. Als ob Herr Minister selber wenn nicht gleich die Macht, so doch das Diktaphon ergriffen hätten, dröhnt gleich der erste Satz: „Im Rahmen der geistig-politischen Auseinandersetzung mit extremistischen Bestrebungen beabsichtigt der Bundesminister des Inneren... die Erstellung und kostenlose Bereitstellung eines Unterrichtsbuches... für die Klassen 9 und 10 aller weiterführenden Schulen.“ Dieses „Werk“, dessen Texte ein Hohes Ministerium sich nicht geschrieben, sondern „erstellt“ wünscht, soll nach dem Willen des Militaristen, der da die deutsche Sprache attackiert, in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern „eingesetzt“ werden. Und die „Autorenhonorare“ werden vom Minister des Inneren „getragen“. Der Verband der Schulbuchverlage muß den Minister daran erinnern, daß die Schulhoheit, nach der Verfassung, mit der Zimmermann umspringt wie mit unseren Steuergeldern, bei den Ländern liegt. Weder mit seinen Christ-Ministern noch mit der Konferenz der Kultusminister hat Zimmermann seine „Einsatz“-Waffe in Form eines Schulbuches abgesprochen. Daß „die öffentliche Hand“, der für Kultur sonst jede Mark entrissen werden muß, sich nicht nur öffnet sondern Geld vergeudet, wenn es ein Zimmermann genehmes Werk in einer Auflage bis zu 80 Tausend Exemplaren – kostenlos – zu verbreiten gilt, ist ein Affront gegenüber den von Existenznot stärker als alle anderen Publikationshäuser bedrohten Schulbuch-Verlagen. Zu Recht halten die Verleger ein so „erstelltes“ Buch für „entbehrlich“ und machen den Bundesrechnungshof auf diese Verplemperung von Steuergeld aufmerksam.