Weiße Weste in Südafrika

Francisco Quintino, ein 56jähriger weißer Bürger Johannesburgs, wurde von der Anklage des Mordes freigesprochen. In Quintinos Nachbarschaft war immer wieder am frühen Morgen das Geld gestohlen worden, das auf Fensterbrettern oder unter Türschwellen für den Milchmann bereitlag. Quintino lauerte dem Dieb auf, Tatsächlich griff am nächsten Morgen eine schwarze Hand nach dem Umschlag mit Quintinos Milchgeld. Zum letzten Mal – denn Quintino erschoß den Eindringling, einen jungen Schwarzen. Das – so erfuhr er jetzt vor Gericht – war eine „staatsbürgerliche Jetzt Richter Irving Steyn ließ es nicht beim Freispruch bewenden, sondern bescheinigte dem Angeklagten, er verdiene einen Orden für seinen Mut. Nebenbei: Die Milchgroschen Quintinos waren umgerechnet eine Mark vierzig wert.

Diskriminierte Mädchen

In vielen armen Ländern der Dritten Welt beginnt die Benachteiligung des weiblichen Teils der Bevölkerung schon bei den Babys. In Bangladesch und im Norden Indiens sterben nach einer neuen Untersuchung der Welternährungsorganisation FAO in den ersten Lebensmonaten fast 60 Prozent mehr Mädchen als Jungen, weil die Mütter sich beim Stillen oder der künstlichen Ernährung ihrer Söhne mehr Mühe geben als bei den Töchihrer Bei den Erwachsenen geht die Diskriminierung weiter: Die Zahl der unterernährten Frauen und Mädchen ist im Untersuchungsgebiet dreimal so hoch wie die der Männer und Jungen. Die Frauen, die gerade in der Landbevölkerung von klein auf hart am Unterhalt der Familie mitarbeiten, gelten ab weniger wertvolle Familienmitglieder, vielleicht gar als Last – auch aus der Sicht der Mütter.

Nobel-Kittchen

Die amerikanischen Justizvollzugsbehörden stehen vor einem Dilemma: Darf man einen Religionsführer hinter ordinäre Gefängnisgitter stecken? Sun Myung Moon, in New York wohnhaftes Oberhaupt der weltweit drei Millionen Mitglieder zählenden „Vereinigungskirche“, muß demnächst wohl seine achtzehnmonatige Haftstrafe antreten. 1982 wurde er wegen Steuerbetrugs verurteilt; der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten lehnte jetzt eine Wiederaufnahme des Verfahrens ab. Für den 64jährigen Moon dürfte sich ein Plätzchen im Bundesgefängnis Allenwood finden, dem „Country-Club“ unter Amerikas Haftanstalten. In Allenwood logierten bereits die beiden Watergate-Klempner Gordon Liddy und Jeb Magruder. Momentan beherbergt es zwei ehemalige Kongreßabgeordnete und einen früheren Senator. Den Edel-Insassen des offenen Gefängnisses ist es zwar nicht gestattet, den nahegelegenen Golfplatz zu benutzen; dafür können sie sich aber auf zwei Tennisplätzen die Zeit vertreiben.

Tag des Hass es

Tausende von Kambodschanern begingen in der Hauptstadt Phnom Penh den „Nationalen Tag des Hasses“ zum Gedenken an die Opfer des Terrors der Roten Khmer. Drei Millionen Menschen sollen zwischen 1975 und 1979 von den Schergen Pol Pots umgebracht worden sein, behaupten die heutigen Machthaber Kambodschas unter dem von Vietnam eingesetzten Präsidenten Heng Samrin. Westliche Experten sprechen von 1,5 Millionen Toten des linkskommunistischen Terrors. Die organisierte kollektive Trauer dient aber auch der ideologischen Aufrüstung gegen die ausländischen Gegner: Nicht nur die Roten Khmer, die noch immer einen Dschungelkrieg gegen ihre Nachfolger und die vietnamesischen Besatzungstruppen fuhren, wurden attackiert, sondern gleichermaßen die „amerikanischen Imperialisten“ und die „chinesischen Expansionisten“.