Lohnt sich eine Aktienanlage nur, wenn es gelingt, von Zeit zu Zeit Kursgewinne zu realisieren? Oder gibt es auch Gesellschaften, bei denen es sich auszahlt, ein Daueraktionär zu sein? Fragen, die im Zuge der Aktienpopularisierung diskutiert werden

Das Umfeld für die Aktie ist besser geworden, seitdem die Politik der Bundesregierung darauf gerichtet ist, die Investitionsfähigkeit der Unternehmen über steuerliche Erleichterungen zu stärken. Dies kommt indirekt auch den Aktionären zugute. Sowohl über steigende Aktienkurse, die sich wenigstens teilweise nach der Ertragskraft der Gesellschaften richten, als auch über höhere Dividenden.

Die Mehrzahl der Unternehmen hat der Schaffung einer soliden Eigenkapitalbasis inzwischen eine höhere Priorität eingeräumt als noch vor Jahren, in denen die Kreditaufnahme aus Kostengründen der Hereinnahme neuen Eigenkapitals vorgezogen wurde. In Zeiten rückläufiger Beschäftigung bei gleichzeitig hohen Zinsen hat sich der Nachteil einer solchen Unternehmensfinanzierung gezeigt.

Unternehmen und die nicht selten in ihrer Kreditgewährung leichtfertig gewesenen Banken haben daraus gelernt. Zusammen sind sie auf der Suche nach Risikokapital, also nach Sparern, die bereit sind, das unternehmerische Risiko mitzutragen. Diese lassen sich aber nur finden, wenn diesem Risiko die Chance gegenübersteht, an dem Unternehmensgewinn entsprechend teilzuhaben. Das ist aber nur möglich, wenn die in den letzten Jahrzehnten betriebene „Umverteilungspolitik“ revidiert wird.

Die erfolgreichen Kapitalbeschaffungsmaßnahmen bestehender Aktiengesellschaften über Kapitalerhöhungen und Optionsanleihen und der neu an die Börse gekommenen Unternehmen haben deutlich gemacht, daß es Sparer genug gibt, die bereit sind, Vertrauen zu investieren. Allerdings sollten die vielfachen Überzeichnungen bei Neuemissionen nicht bereits als Aufbruch zu neuen Ufern gewertet werden.

Novitäten sind an der Börse von jeher begrüßt worden. Und wenn es sich um so bekannte Unternehmen handelt wie Wella, Porsche oder jetzt Nixdorf, die erstmals Aktien an den Wertpapiermärkten plazieren, kann es nicht überraschen, wenn die Kunden der Banken und Sparkassen Schlange stehen, um diese Papiere in möglichst hoher Zahl zu bekommen.

Daß auch weniger bekannte oder bisher sogar völlig unbekannte Unternehmen ungeahnte Plazierungserfolge verbuchen können, ist sicherlich der gewandelten Stimmung am Aktienmarkt zu verdanken, aber vor allem wohl der bisher in den meisten Fällen anfänglichen Kurssteigerungen, die es den Erstzeichnern gestatteten, die „zugeteilten“ Aktien sofort wieder mit Gewinn abzustoßen.