ZEIT: Herr Hebbering, wir erleben seit Wochen in zwei großen Industriebranchen einen Arbeitskampf mit Streiks und Aussperrungen. Weitere Betriebe müssen schließen, weil ihnen Zulieferteile ausgehen. Schlagen sich Einkommenseinbußen der Arbeitnehmer schon in den Umsätzen der Einzelhändler nieder?

Hebbering: Ja, ganz eindeutig, das Geschäft, das wir im Augenblick zu verzeichnen haben, ist nur schlicht und einfach als miserabel zu bezeichnen. Dafür gibt es natürlich eine Reihe von Gründen. Und dazu zählt auch die katastrophal schlechte Wetterlage, die nicht gerade dazu angetan ist, die Sommerartikel zu verkaufen. Aber die psychologische Situation ist katastrophal und sicherlich nicht den Umsätzen zuträglich.

ZEIT: Das bezieht sich dann aber nicht nur auf die Streiks.

Hebbering: Ja, aber die Streiks sind der auslösende Faktor, und die damit verbundene Diskussion, die die Frage der weiteren Arbeitslosigkeit wieder ins Bewußtsein bringt und dadurch sofort ein Anspringen der Spartätigkeit auslöst.

ZEIT: Ist die miserable Geschäftslage nur in den von Streiks direkt betroffenen Gebieten zu beobachten, oder im ganzen Bundesgebiet?

Hebbering: Wenn wir unsere Zahlen durchsehen von den Regionen, in denen Streiks stattfinden bis in die Bereiche hinein, wo wir hohe Arbeitslosigkeit haben, sehen wir – mit Nuancen – eine einheitliche Entwicklung.

ZEIT: Nun ist ja im Vergleich zum Vorjahr die Konsumentenstimmung wieder schlechter geworden. Ist durch fortgesetzte Streiks ein neuer Einbruch in der Einzelhandelskonjunktur zu befürchten?