Von Matthias Naß

Bottrop/Leer, im Mai

Paul Duffke stemmt beide Hände fest auf die Tischplatte: ,,Freiheit!", begrüßt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende von Bottrop-Welheim die Versammelten mit kräftiger Stimme. SPDheit", erwidern die sechzig Genossinnen, die zum Hausfrauennachmittag in die Gaststätte Schweers gekommen sind, ernst den alten Parteigruß. zum innen stehen auf langen Tischen Käse- und Wurstbrote, Kaffee und Kuchen. An der Wand hängt die Fahne des "Schützenvereins Welheim Bottrop von 1910".

Hier, im tiefsten Kohlenpott, wo die Welt der Sozialdemokratie noch heil ist, soll heute über Europa gesprochen werden. Und wer kann über Europa besser Auskunft geben als Magdalene Hoff, die hiesige SPD-Kandidatin für das Europäische Parlament? Also wendet sich Paul Duffke an die "liebe Magdalene": "Darf ich dich bitten, uns die freudigen Ergebnisse, die ihr erzielt habt, zu unterbreiten?"

Bei der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament vor fünf Jahren kandidierte Magdalene Hoff noch auf Platz 32 der SPD-Bundesliste. Diesmal ist die 43jährige gelernte Betonbauerin, die später zum Bauingenieur graduierte, auf den prominenten Platz fünf vorgerückt. Auf dem Parteitag in Essen wurde sie gerade mit beachtlicher Stimmenzahl in den Bundesvorstand ihrer Partei gewählt. Straßburg ab Sprungbrett nach Partei Nein, wehrt sie ab, so sei das nicht. Zunächst wolle sie für eine weitere fünfjährige Legislaturpewolle im Europaparlament mitarbeiten.

Die Kandidatin erläutert den SPD-Hausfrauen das von der EG mitfinanzierte Programm "Mädchen in Männerberufen". 94 Millionen Mark habe die EG 1982 dafür bereitgestellt; 1983 schon 154 Millionen. Diese Gelder seien gut angelegt. Die Agrarpolitik hingegen werde man in der bisherigen Form nicht mehr lange finanzieren können. Subventionierte Butter nach Rußland zu schicken, könne ja wohl nicht die Lösung sein. Beifälliges Kopfnicken in der Runde. Aber für die Agrarpolitik der Gemeinschaft sei schließlich nicht das Parlament in Straßburg verantwortlich: "Ich möchte euch bitten, nicht das Europäische Parlament für die schlechte Politik des Ministerrats zu prügeln."

Nach zwanzig Minuten muß sich die Kandidatin schon wieder verabschieden. Noch einmal die "herzliche Bitte", am 17. Juni möglichst viele Kollegen und Bekannte zu bewegen, "für Europa" zu stimmen. Freundlicher Beifall der Frauen, die nun gern ihren Kuchen essen möchten, und ein Lob von Paul Duffke: "Worauf es ankommt, hat die Genossin Magdalene vortrefflich gesagt".