Von Barbara Ungeheuer

New Yorker Alltagsbilder: Im Central Park drehen die Jogger ihre Runden auf Adidas-Sohlen. Auf der Columbus Avenue kauft man Croissants und grüne Tagliatelli, trinkt Espresso und Cappucino im Straßencafé. Am Broadway spielt Jeremy Irons, der englische Fernsehstar aus Wiedersehen mit Brideshead, vor vollem Haus, obwohl die Besucher nur vage mitbekommen, daß auch er ihre Sprache spricht. Im Metropolitan Museum of Art wird Yves St. Laurents Mode als Kunst gefeiert.

Bei Bloomingdales, dem Großbazar auf der Eastside, bleiben Leinen und Baumwolle "in", Polyester verpönt.

Das deutsche Federbett liegt da, wo es früher nur Wolldecken gab, und Schnittblumen stehen, wo einmal Efeu rankte.

Im Sommer löscht Perrier den Durst, egal, wie teuer die Nierenspülung aus Frankreich noch immer ist.

Und wenn am Wochenende der Exodus nach Long Island und Connecticut beginnt, dann ist die "show-time" der europäischen Autoindustrie gekommen: Mercedes, BMWs, Jaguars, Peugeots und Volkswagen, sie mischen sich jetzt immer häufiger unter die Kolonnen einheimischer und japanischer Autos.

Haben die Europäer New York erobert? Nehmen sie Revanche für die amerikanische Bevormundung, die ihre Kinder zu gaumenschädlichen "Big Mac"-Buletten verführte, die Frauen mit Aerobics und Urschrei-Therapien zur leidigen (männerfeindlichen) Selbstverwirklichung trieb und die Männer Streß-Symptome gelehrt hat, die ihnen jetzt die Arbeitslust nehmen?