Viele wissen nicht, warum der Papst kommt“. Dieser Seufzer eines Priesters, der zugleich beklagt, daß „Reichtum schwer zu evangelisieren“ sei, wird in einem Bildband zitiert, der in der Schweiz erschien und auf die 22. Auslandsreise Johannes Pauls II., die ihn am 12. Juni ins Land der Eidgenossen führt, einstimmen soll:

„Das Geheimnis Wojtyla. Der Papst und seine Botschaft“; Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1984; 144 S., 29,– DM.

Der Fotograf Josef A. Slonimski, der den Papst auf vielen Reisen begleitete und seine Kamera nicht nur zu Schnellschüssen benutzte, ist in seinen 64 Farbfotos dem „Geheimnis“ dieses Papstes wohl mehr auf die Spur gekommen als viele andere Reporter, die sich von Massen-Szenen faszinieren lassen und nicht daran denken, daß auch ein Heiligenschein trügen kann. Obschon es fast nur „offizielle“ Momente sind, die Slonimski festhält, macht er gerade in ihnen das Menschliche, auch von der eigenen Amtspose Distanzierte dieses Papstes sichtbar. Das gilt – abgesehen von einigen politischen Vereinfachungen und kurzatmigen Schlüssen – auch von den Texten Luitpold A. Dorns. Es sind Tagebuchnotizen eines Journalisten, dessen Blick nicht vom eigenen Credo und von der Nähe zum päpstlichen „Hof“ getrübt ist – wohl auch im Bewußtsein, daß die Botschaft gerade dieses Papstes nicht mit den herkömmlichen (eher dürftigen) Mitteln vatikanischer Pressepolitik zu „verkaufen“ ist. Dies begriffen scheint auch der – nicht nur geographisch – am Rande des schweizerischen Katholizismus angesiedelte Verlag, der sich bislang eher so seltsamen Devoltionalien wie dem „Exorzismus“ und dem „freimaurerischen Satanismus“ gewidmet hatte...

Hansjakob Stehle