Der Arbeitskampf stößt überwiegend auf Unverständnis und Desinteresse

In vielen Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie ruht die Arbeit – entweder, weil die Beschäftigten wegen Streik und Aussperrung nicht an ihren Arbeitsplatz kommen können, oder weil aus Mangel an Nachschub die Produktion eingestellt werden mußte.

Doch während in den Werkhallen Ruhe herrscht, geht es in anderen Abteilungen umso hektischer zu. So klagt der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Manager eines großen Automo-Interesse über einen ungewöhnlichen Informationshunger ausländischer Korrespondenten: „Das Interesse des Auslands war noch nie so groß. Die glauben, die Deutschen sind verrückt geworden. Die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich wagt keiner ernstzunehmen. “

So viele ausländische TV-Teams haben bei ihm noch nie nach einer Drehgenehmigung gefragt. Immer wieder müssen auch die Zusammenhänge erläutert werden, denn viele der ausländischen Journalisten vermengen den Streit um die 35-Stunden-Woche mit der Mitbestimmung, halten sie für eine Folge dieser ihnen unverständlichen Institution. Andere sind fassungslos, wenn sie hören, daß Mitglieder des Aufsichtsrates vor den Toren stehen und die Arbeitnehmer zum Kampf ermuntern. Als ein Korrespondent hörte, daß der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Franz Steinkühler, im Aufsichtsrat von Daimler-Benz sitzt, schüttelte er erst den Kopf und fing dann laut an zu lachen.

Verständnislosigkeit und Mißverständnis auch im Ausland beim „Mann auf der Straße“: Diese übertüchtigen, arbeitswütigen Deutschen, deren Gewerkschaftler immer etwas herablassend auf ihre allezeit streiklustigen Kollegen im Süden blickten – diese Deutschen sind zum Beispiel für die Italiener nicht wiederzuerkennen. Das Thema wird freilich – sogar in der kommunistischen Presse – meist auf der letzten Seite behandelt; wie stets ist man in Italien mehr mit sich selbst beschäftigt.

Fast eifersüchtig bemerkt jetzt die christdemokratische Gewerkschaft CISL, daß sie es eigentlich war, die als erste in Europa den Slogan „Weniger arbeiten – Arbeit für alle“ erfand. Metallarbeiter-Boß Raffaele Morese äußert sich jetzt erschrocken über die Aussperrungsaktion der deutschen Arbeitgeber: „Das wäre bei uns unvorstellbar, zum Glück haben wir dagegen Garantien.“ Sein kommunistischer Kollege Galli von der CGIL nennt die Aussperrung eine „terroristische Erpressung“ und empfiehlt einen Zehn-Minuten-Solidaritätsstreik der Italiener. Galli versichert zudem (obschon man davon bisher wenig hörte), auch für Italiens Metall-Arbeiter sei die 35-Stunden-Woche in den nächsten fünf Jahren ein gemeinsames Ziel.

Alles falsch gemacht