Dokumentarisch

„Dieter Süverkrüp“. Ach, könnte der eine oder der andere fragen, gibt’s ihn noch? Es gibt ihn, und bei den ersten Takten ist er auch wieder ganz präsent. Da der Titel der neuesten Publikation nur seinen Namen enthalt und die Anmerkung „8 LP mit Texten, 1 Single“, weiß man, daß es mit der dicken Kassette etwas Besonderes auf sich hat. Tatsächlich: der Graphiker, Art Director, Drehbuchautor, Verlagsgesellschafter, der meisterliche Gitarrist, der insistierende Sänger wurde am 31. Mai fünfzig Jahre alt. Also ist dies eine Art von Klassikerausgabe. Sie erinnert an die Kraft dieses Liedermachers, aber auch an die Penetranz seiner Einseitigkeit, an die klassenkämpferische Besessenheit und die offensichtlich unerschütterliche Geradlinigkeit seines politischen Denkens. Seine Chansons sind fast immer weit mehr Agitation als Poesie, ihre Botschaften sind direkt, selten verschlüsselt, manchmal gescheit, oder – plattes Kabarett. Die ältesten der neun Schallplatten sind Historie, sie werden sich den jüngsten Hörern nur erschließen, wenn sie die Geschichte der Bundesrepublik kennen. Süverkrüp, der Kommunist, der es strikt mit Moskau hält (und mit Ausgestoßenen, wie Biermann einer ist), war einer unserer ersten politischen Liedermacher: eine Erinnerung. (Verlag „pläne“ 88 362) Manfred Sack