Die staatseigene British Nuclear Fuels Ltd. (BNFL) betreibt neben zwei Atommeilern drei Kernanlagen, die von der Plutoniumverarbeitung über die Urananreichung bis zur Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe den gesamten Zyklus der Kernkraftgewinnung umfassen. Achttausend Arbeiter werken – neben etwa ebensovielen Angestellten – in den drei Produktionsstätten in Springfields bei Preston, in Capenhurst und in Windscale.

Seit BNFL vor über zwanzig Jahren die kommerzielle Seite der Kernkraftnutzung von der British Atomic Energy Authority übernahm, entwickelte sich die Ertragslage des Unternehmens ständig aufwärts. So war die Belegschaft immer wieder in der Lage, als Vorreiter der britischen Gewerkschaftsbewegung nicht nur höhere Löhne, sondern auch verbesserte Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Vor vier Jahren legten die shop Stewards den Managern einen Plan zur Arbeitszeitverkürzung von vierzig auf 37,5 Stunden vor.

Ein Großteil der Belegschaft arbeitet in vier Schichten sieben Tage in der Woche rund um die Uhr; die Schichteinteilung aber ließ sich ohne größere Produktionsausfälle nicht antasten. Deshalb erklärte sich das Management zunächst nur damit einverstanden, daß nur die normal in einer Schicht arbeitenden Mitarbeiter – vor allem also die Beschäftigten in der Verwaltung – ihre Wochenstundenzahl kürzten. Zusammen mit dem Betriebsrat wurde dann ein gemeinsamer Ausschuß gebildet, der auch für die übrige Mitarbeiter eine neue Arbeitszeitordnung erarbeiten sollte.

Man einigte sich darauf, bei der zusätzlichen Freizeit nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Überdies sollte die Zeit, in der die teuren Anlagen genutzt werden, nicht gekürzt werden. Deshalb wurde die für den Schichtbetrieb günstige Wochenarbeitszeit von 42 Stunden auf ein yearly accumulative total, in eine Jahresgesamtsumme, umgerechnet. Davon wurden soviele Tage als Freizeit abgezogen, bis sich eine Durchscnnittswoche von 37,5 Stunden ergab. Für den einzelnen Arbeiter bedeutet das: zwar muß er jede Woche 42 Stunden im Betrieb sein. Doch zusätzlich zu seinen vier Urlaubswochen und den zehn gesetzlichen Feiertagen des Jahres stehen jedem Mitarbeiter weitere 24 freie, bezahlte Tage zu. Diese teilte man, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, in drei Blöcke auf. Jeder einzelner Block ist dem Winter, dem Frühjahr und dem Herbst zugeordnet, während die allgemein üblichen Urlaubswochen im Sommer genommen werden. Innerhalb der übrigen Jahreszeiten kann jeder seine acht Tage Extraurlaub nehmen, wann er mag.

Die Belegschaft und die Manager bei BNFL standen dieser Lösung anfänglich skeptisch gegenüber. Mittlerweise aber hat sich das System als derart erfolgreich herausgestellt, daß die Betriebsleitung es gerne auch für die Verwaltung und andere Beschäftigte einführen möchte, die keine Schichtarbeit leisten. Die Unternehmensleitung ist nämlich davon überzeugt, daß die positive Entwicklung, die nach Einführung der neuen Arbeitszeit zu verzeichnen war, vor allem auf diese Reform zurückzuführen ist. Denn obwohl die Sachinvestitionen pro Arbeitsplatz nur um 28 Prozent gestiegen sind und die Verkaufserlöse das Ergebnis von 1980 nur um ein knappes Viertel übertreffen, haben sich die Gewinne des Unternehmens je Mitarbeiter mehr als verdreifacht (siehe Tabelle).

"Wenn man nur hinten und vorne an den täglichen Arbeitsstunden etwas herumschnippelt, leidet darunter die Produktivität", meint Bill Maxwell, der Betriebsratsvorsitzende des Werkes in Windscale. "Unser System aber hat einen ganz beträchtlichen Rationalisierungseffekt mit sich gebracht". Zwar leistet niemand Überstunden, um für den Kollegen einzustehen, der gerade einen seiner saisonalen Extraurlaube verbringt. Aber alle zusammen schaffen das bißchen mehr, um den Verlust auszugleichen.

Auch die Belegschaft ist mit dem neuen Arbeitsrhythmus sehr zufrieden. Gerade einem Schichtarbeiter, dessen Familienleben ohnehin besonderen Belastungen ausgesetzt ist, erscheinen über drei Wochen zusätzliche Freizeit wertvoller als ein paar Stunden mehr oder weniger in der einzelnen Arbeitswoche, beziehungsweise dreißig Minuten pro Tag.